Circus von hinten gesehen

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Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Klaus » 24.11.2009, 08:12

Man sollte als Circusfreund auch mal die Vorstellung "von hinten" erleben, ich meine vom Sattelgang aus. Dort am Sattelgang, an dieser Schnittstelle zwischen dem öffentlichen Auftritt und dem Privatbereich der Circusleute, schlägt im Grunde das Herz des Circus. Den Circus auf diese Weise "hinter den Kulissen" zu erleben ist mit dem Kauf einer Tierschaukarte ja meistens möglich. Allerdings ist diese Szenerie bei den meisten Circusunternehmen heute nicht mehr so attraktiv wie einst, als die großen Circusse mehr Personal hatten und mehr Tiere mit sich führten und dort "hinter den Kulissen" einfach mehr los war.

Bei Zirkus Probst hat sich das alte Fluidum erhalten. Als wir am Samstag bei Probst in Magdeburg waren, hatten wir die gut besetzte Nachmittagsvorstellung besucht. Abends ein total ausverkauftes Haus (siehe vorstehende Fotos). Wir sind dann nach hinten zum Sattelgang gegangen; es liefen gerade die Pferdenummern mit Mercedes. Packend diese Atmosphäre dort hinter den Kulissen, wo nun fortlaufend Pferde rein- oder rausgeführt wurden, alles wunderbar organisiert, die haben ja bei Probst genug Personal. Und dann setzt Alexandra auf, stürmt mit ihrem Springpferd in die Manege und setzt furios über die Cavaletti-Hürde. Dies vom Sattelgang aus mitzuerleben, jetzt abends im Dunkeln, wo aber der Tierschaubereich akkurat ausgeleuchtet ist, war für uns höchst eindrucksvoll. Es erinnerte mich an meine Jugend, als ich so häufig bei den großen Circussen am Funkturm oder Lützowplatz dort vom Sattelgang aus die Vorstellung miterlebt habe.
Viele Grüße
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Admin » 24.11.2009, 12:09

Lieber Klaus,

ich habe Deinen Beitrag dupliziert, da ich dies ein schönes Thema finde.
Denn ich sitze oft im oder vor dem Satteleingang, beobachte die Szene und rede mit den Akteuren.
Dieses Erleben im Zelt und dahinter macht für mich Circus aus. Beides gehört für mich zusammen.

Dieses Jahr in Bad Saulgau bei Probst-West, es war sommerlich warm, standen Stühle vor dem Satteleingang und da warteten die Akteure auf ihren Auftritt. Da unterhielt man sich, lachte und hatte seinen Spass als die Dromedare zur Manege geführt wurden und eines widerspenstig auskam und von einem Kutscher wieder in die Ordnung gebracht werden musste.
In solchen Momenten bin ich mitten drin, erinnere mich meiner eigenen Erlebnisse ähnlicher Art und bin mit den Circusmenschen verbunden. :D

Oder in Tuttlingen in der Pause im Sattelgang, ein herzlicher Ratsch mit Dany und anderen. Das war lebendiger als der anschliessende Rundgang durch die Tierschau. Dieses unmittelbare Erleben hinter den Kulissen verbindet auf einer tieferen Ebene.
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Klaus » 24.11.2009, 12:25

Ja, lieber Peter, das sehen und empfinden wir dann ganz genauso...
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Hendrik » 04.12.2009, 23:07

Oh ja. Das habe ich schon als Kind genossen. Erinnere mich genau an Barum in den 80ern auf dem Cranger-Kirmes-Platz, wo die Eisbären im Laufgang stehen blieben und Gras fraßen und geschimpft wurde über Plätze mit Gras. Auch bei Mey-Sarrasani und Medrano (Zinnecker) habe ich auf selbigem Platz Circus-Luft geschnuppert, vielleicht jene, die mich so "verrückt" gemacht hat.
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Admin » 04.12.2009, 23:41

Der Eingang für die Besucher ist vorne, für die Circusleute hinten. Wenn man daher Circus aus der Sicht von Artisten, Dresseuren und Arbeitern kennen lernen will, dann muss man hinten sitzen, Augen und Ohren aufmachen und die kleinen Dinge beobachten, so wie Hendrik gerade so schön beschrieb mit den grasenden Eisbären, welche nicht weitergehen mochten.

Im Grunde müsste ich mal solche Erinnerungen aus dem Sattelgang aufschreiben. Denn da gibt es herrliche Episoden, welche mindestens so reizvoll sind, als die Show in der Manege. :mrgreen:
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Michael B. » 05.12.2009, 13:16

Ich erinnere mich an eine Situation beim Gastspiel des Circus Barum in Goslar ca. 1999 als Sandro Montez die Exoten vorführte und er darauf wartete "Tsavo" in der Manege zu präsentieren.
Der Mitarbeiter versuchte vergeblich das schwere Tor vom Nashorngehege zu öffnen.Tsavo stand innen und wartete,ebenso Sandro Montez vor dem Tor und das Orchester spielte das Musikstück für Tsavo in Dauerschleife.
Mit Hilfe eines anderen Mitarbeiters und einem Stemmeisen gelang es dann schließlich doch.
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Sibylle Luise » 13.06.2010, 17:19

Darf ich mich in diesem Uralt-Thread das erste Mal hier zu Wort melden?

Ich bin relativ "neu" in der Welt des Zirkus. Obwohl ich schon als Kind alles gelesen habe, was ich dazu finden konnte (mein Opa war ein Zirkusfan, der die ganzen einschlägigen Bücher - angefangen von Sarasanis "Durch die Welt im Zirkuszelt" bis zur Krone-Chronologie im Bücherschrank hatte), ich war auch des öfteren im Zirkus und außerdem immer sehr an Tieren interessiert, aber irgendwie war der Zirkus für Jahre nicht in meiner Optik. Ich bin Pferdefrau und war lange Zeit so mit "meiner Szene" beschäftigt, dass da wenig Platz und Interesse für anderes blieb.

Doch ich habe eine Freundin (gleichzeitig auch eine PR-Klientin), die sehr eng mit Krone verbunden ist. Sie hat früher mal auf dem Kronegut Weßling gelebt und Pferde trainiert und ist heute die Trainerin von Jana Mandana und ihren Pferden. Und diese Freundin war's dann, die mich im Dezember letzten Jahres aufforderte, ich solle doch mal in Stuttgart in den Weihnachtscircus gehen. Da sei ein lieber Freund von ihr mit seiner Löwennummer zugange.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht gegangen bin. Ich hatte viel zu tun und außerdem - ich gestehe es errötend - war ich auch nicht sehr interessiert. Ich hatte nämlich als Kind Raubtiernummern immer langweilig gefunden - was vermutlich daran lag, dass ich schon damals mehr Ahnung von Pferden als von Raubtieren hatte. Pferde konnte ich immer irgendwie "einschätzen", während Raubtiere mir sehr fremd waren und ich das Gefühl hatte, nicht wirklich mitzukriegen, was in Raubtiernummern eigentlich abgeht. Blöd, aber wahr ...

Meine gute Freundin ist aber hartnäckig. Nachdem ihr Versuch, mich in Stuttgart zum Weihnachtscircus zu schicken, an meiner Ignoranz gescheitert war, hat sie mich einfach im Februar nochmal eingeladen. "Du weißt, ich bin im Winter jeden Mittwoch in München beim Zirkus Krone und arbeite da mit Jana und den Pferden. Komm doch mit - das ist für dich bestimmt sehr interessant!" Außerdem hat sie zusammen mit Krone eine Veranstaltung zum Thema "Klassische Dressur" in Planung, für die von unserer Seite aus auch Werbung und PR gemacht werden muss, also "musste" ich mehr oder weniger - und die Wirkung jenes Zirkusbesuches war umwerfend. ;)

Ich hatte erstmal Gelegenheit, Jana im Morgentraining mit ihren Pferden zu erleben - und war tief beeindruckt, weil mir sehr schnell klar geworden ist, dass Jana nicht nur eine sehr gute, sehr gefühlvolle Reiterin ist, sondern mit einem ganz anderen Ansatz als "die Reiter" im allgemeinen an ihre Tiere herangeht. Ich komme ursprünglich aus dem Reitsport, habe auch einige Jahre als Journalistin intensiv Turnier auf internationaler Ebene gemacht und dabei so zu viel gekriegt, dass ich mich von dieser Szene total abgewandt habe. Aber so Dinge wie "Wenn das Pferd sich widersetzt, muss man sich halt durchsetzen!" und die bei Reitprofis extrem vertretene Abneigung gegen "Sentimentalitäten" hatte ich zumindest immer noch teilweise drauf. Und nun sah ich jemanden, der wunderschön auf ganz hohem Niveau reitet und dabei die Ansicht vertritt, dass man seinem Pferd jede schlechte Erfahrung ersparen und sich nie auf einen Kampf einlassen sollte; jemand, der quitschfidele, dabei aber eigentlich schon "alte" Pferde (im Sport gilt ein Pferd mit 16, 17 als "alt" und pensionsreif - wenn es überhaupt so lange auf gesunden Beinen im Sport ist. Janas Lipizzaner dagegen sind 23 und 22 und haben glasklare Beine) mit großer Ausstrahlung als Individuen und Freunde behandelt, der - aus der Sicht der Pferde - eigentlich nicht "arbeitet", sondern "spielt" und damit genau das vorführt, was ich bei Reitern sehen will: Harmonie und freudiges Miteinander.

Zudem bekam ich die erste Gelegenheit, hinter die Kulissen des Zirkus zu gucken. Jana nahm sich die Zeit, mich herumzuführen, ich bekam die Elefanten, das Nilperd, das Nashorn, ihre Exoten und Martins Löwen zu sehen, war mit ihr in den Pferdeställen (wo mich der blanke Neid packte. Ich bin selbst stolze, aber geplagte Besitzerin eines Schimmels, der ständig dreckig und im Winter kaum sauber zu kriegen ist. Und dann die Krone-Schimmel ... einer wie der andere silberweiß glänzend, kein Fleckchen im Fell!), erlebte lauter freundliche, extrem zugewandte Pferde, die alle auf ihren Namen hören (ohne Witz: Ich wette, dass 75 % aller Pferde in deutschen Reitställen nicht auf ihren Namen hören, weil sich nie einer die Mühe macht, ihnen das beizubringen und weil man sich generell zu wenig mit ihnen beschäftigt).

Ich war angefixt. Am nächsten Morgen habe ich einen befreundeten Chefredakteur angerufen und ihm so begeistert vorgeschwärmt, dass er mir sofort einen großen Bericht über Jana und ihre Pferde abgekauft hat (inzwischen erschienen: In der derzeit am Kiosk ausliegenden Ausgabe von "Pegasus"). Also hatte ich einen guten Grund, eine Woche später gleich wieder nach München zu fahren.

Und so ging's dann weiter. Ich habe meine Jana-Geschichte geschrieben, ich kam mit Martin Lacey in Kontakt und bekam von ihm seine Löwen vorgestellt (wobei ich gestehe, ein absoluter Feigling zu sein. Ich finde die Löwen wunderschön und faszinierend, aber ich hab' sie am liebsten, wenn zwischen ihnen und mir Gitterstäbe sind. Ich hab' nämlich einen Heidenrespekt vor den lieben Tieren) - und je mehr ich über sie lernte (ich habe dann natürlich erstmal alles gelesen, was mir zu dem Thema in die Finger kam), desto mehr war ich auch von der Nummer fasziniert, denn so langsam "verstehe" ich ja ein bisschen, was da passiert und wie er es seinen Tieren beigebracht hat. Außerdem bekommen die Lacey-Löwen langsam ein Gesicht für mich. Anfangs konnte ich gerade die beiden Herren - King Tonga und Kasanga - auseinander halten, inzwischen erkenne ich auch die beiden weißen Löwinnen und kann sie auseinanderhalten und ich denke, irgendwann werde ich mich darüber wundern, wie ich je denken konnte, dass alle braunen Löwinnen "gleich" aussehen (genauso wie ich mich heute darüber wundere, warum manche Leute Schimmel nicht unterscheiden können).

Was ich aber eigentlich erzählen wollte (der langen Rede kurzer Sinn): Bei meinem letzten Circusbesuch in Bad Dürkheim habe ich mich - mit Janas Erlaubnis - aus der Vorstellung abgesetzt und bin zum Stallgang gegangen. Und so bekam ich das halbe Programm "von hinten" mit -was ich fast noch spannender fand als von vorne. Ich habe zugeschaut, wie Janas Pferde für die Freiheitsdressur auf Warteposition gingen, wie sie bei jedem noch mal Gebiss und Zaumzeug prüfte und ein Leckerli reinschob; ich habe erlebt, wie die Elefanten aus der Manege kamen und gemächlich wieder in ihr Zelt stapften; ich habe mich über King Tonga amüsiert, der schon ungeduldig durch sein Gehege marschierte, weil er gebürstet und verladen werden wollte (andere Löwen gehen zu Fuß durch den Tunnel in die Manage. Doch seine Majestät wird mit dem Spezial-Tonga-Mobil vom Gehege zur Manage gefahren) - und irgendwo fand ich hinter den Kulissen Zirkus noch viel faszinierender und "faßbarer" als in der Vorstellung.

Ich fühle mich richtig "privilegiert", dass ich das so erleben darf, dass ich bei Proben zugucken und die Zirkusleute mit Fragen löchern darf; ich bin erstaunt, wie offen man mir begegnet und ich habe unendlich viel Freude daran, für Martin zu arbeiten.

Und ich glaube, wenn ich am übernächsten Wochenende in Gronau bei Krone aufschlagen werde, werde ich mir die Vorstellung wieder von "hinten" angucken.

Sibylle Luise
"So - und jetzt hoffe ich, nicht schon beim ersten Auftritt hier alle irre gelangweilt zu haben."
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Othmar » 13.06.2010, 18:25

Wenn ich hier so mitlese bringt das alte Erinnerungen zureuck. Als Tierlehrer war fuer mich der Sattelgang und die Tierschau natuerlich nicht nur Vergnuegen sondern auch Arbeitsplatz. Die schoensten Erinnerungen sind fuer mich die halbe Stunde vor und nach der Vorstellung da wurde der Sattelgang fuer Artisten, Tierlehrer und Circus Angestellte die Nachrichtenquelle und Begenungsort fuer Aussenstehende die zu Besuch kamen. Hier hat man sich Neuigkeiten ausgetauscht und so manch Romanze hat im Sattelgang angefangen.

Wenn ich heutzutage einen Circus besuche sehe ich das sich die Geselligkeit veraendert, wenigstens hier in North America, mit kabelosem Internet Zugang und Sateliten Fernsehen halten sich die Circusmenschen nicht mehr lange, wenn ueberhaupt, im Sattelgang auf nach der Vorstellung. Eigentlich schade.
Moegen alle deine Tage Zirkustage sein voll Freude und Heiterkeit.

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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Reinhard » 13.06.2010, 18:41

Sibylle Luise ein wunderbar geschriebener Bericht bei dem sich sicherlich keiner langweilen wird. Dieser Bericht zeigt wie die Wirklichkeit ist. Er zeigt aber auch, wie sogenannte "Tierrechtler" ein total falsche Bild in der Öffentlichkeit vom guten Circus zeigen. Leider macht sich die Mehrzahl der Journalisten keine große Mühe sich mal ein eigenes objektives Bild zu machen. Danke für den Bericht.

Gruß
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Sibylle Luise » 13.06.2010, 19:37

Hallo, Othmar,
hallo, Reinhard*,

ich weiß natürlich nicht, wie es früher im Sattelgang war, aber sehr "kommunikativ" empfand ich es bei Krone nicht, obwohl da das schwarze Brett mit den internen Mitteilungen hängt (von denen aber die meisten sehr alt sind). Was mich aber dennoch beeindruckt hat, war diese Mischung von professioneller Gelassenheit und höchster Konzentration. Da hörte man kein lautes Wort oder Kommando, da war überhaupt keine Hektik, sondern nur eine durchaus positive "Spannung". Und das wirkte sich auf die Tiere aus. Die Pferde waren alle hellwach, aber überhaupt nicht aufgedreht und der einzige, der ein bisschen Tralala veranstaltet hat, war King Tonga - jedenfalls so lange, bis er (ich glaube, Martin war an dem Tag ein bisschen spät dran) in seinem Tonga-Mobil war. Da hat er sich dann offenkundig ein Nickerchen gegönnt, denn bis zum Auftritt stand der Wagen neben dem Sattelgang und von Tonga hörte man keinen Mucks. Nach seinem Auftritt dann - ich kann Löwengesichter noch nicht wirklich beurteilen, aber er schien mir sehr mit sich zufriede sein, als er hoheitsvoll-gelassen aus seinem Wagen stieg, sich streckte und dann wieder auf seinen Lieblingsliegebrett stieg, von wo er sich dann beim Ende der Vorstellung das Gewusel von Leuten beguckte.

Was aber meine Kollegen angeht, so muss ich die ein bisserl in Schutz nehmen. Ich ärgere mich auch, dass heutzutage teilweise lausig bis gar nicht recherchiert wird und dass vor allem ganz viele Kollegen an bestimmte Themen populistisch-voreingenommen herangehen. Wenn sie sich zum Beispiel zum Thema "Tierrechtler" nur für 10 Minuten ins Internet begeben würden, könnten sie lernen, dass die Gleichung "Tierrechtler = Idealist = gut. Kommerzieller Tierhalter = verdient Geld damit = böse" absolut nicht aufgeht.
Das Problem liegt aber in vielen Fällen darin, dass die Geschichten, die sie zu schreiben haben, im Tenor schon vorher festgelegt sind. Und in immer kleiner werdenden Redaktionen, in denen die Redakteure immer weniger Zeit haben und immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich nicht zu ihrem Job gehören; in einer Zeit, in der auf jede freie Stelle für einen angestellten Redakteur xxx Bewerbungen kommen, verkaufen sich "Sensationen" der negativen Art immer besser als positive Berichte.

Ich persönlich bin heilfroh, dass ich recht vielseitig bin. Ich mache PR (wobei ich da eine "Starallüre" habe: Ich arbeite nur für Leute oder Unternehmen, hinter denen ich 150 %ig stehen kann); ich arbeite als freie Journalistin; ich übersetze in einem Spezialgebiet und ich schreibe Bücher. Mit der Mischung kann ich mir Unabhängigkeit leisten und es ist für mich möglich, auch mal einen Job nicht anzunehmen. Aber das können sich viele Kollegen, die eine Familie zu ernähren haben, nicht leisten - und so sehr es mich ärgert, dass wir heute so viel lausigen Journalismus erleben, so sehe ich eben auch die Hintergründe.

Herzlich
Sibylle Luise







* in Reihenfolge des Auftauchens hier. ;)
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Admin » 13.06.2010, 20:37

Sibylle Luise hat geschrieben:Was aber meine Kollegen angeht, so muss ich die ein bisserl in Schutz nehmen. Ich ärgere mich auch, dass heutzutage teilweise lausig bis gar nicht recherchiert wird und dass vor allem ganz viele Kollegen an bestimmte Themen populistisch-voreingenommen herangehen. Wenn sie sich zum Beispiel zum Thema "Tierrechtler" nur für 10 Minuten ins Internet begeben würden, könnten sie lernen, dass die Gleichung "Tierrechtler = Idealist = gut. Kommerzieller Tierhalter = verdient Geld damit = böse" absolut nicht aufgeht.
Das Problem liegt aber in vielen Fällen darin, dass die Geschichten, die sie zu schreiben haben, im Tenor schon vorher festgelegt sind. Und in immer kleiner werdenden Redaktionen, in denen die Redakteure immer weniger Zeit haben und immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich nicht zu ihrem Job gehören; in einer Zeit, in der auf jede freie Stelle für einen angestellten Redakteur xxx Bewerbungen kommen, verkaufen sich "Sensationen" der negativen Art immer besser als positive Berichte.


Genau, so sehe ich das auch und diese veränderte Redaktionsstrukturen haben viele Circusleute noch nicht begriffen. Wäre dies der Fall, würden sie diese anders "bedienen".
Natürlich ärgere ich mich auch über wirklich doofe Artikel, wie gerade kürzlich in der Süddeutschen Zeitung. Aber bewerte das auch nicht über, da vieles sich schnell wieder verflüchtigt.

Die Frage wäre, wie man den "Tenor" der Redakteure ändern könnte, diesen passendes Material liefert, dass sie "negativ was gutes" für den Circus schreiben lassen. :mrgreen:


Liebe Sybille, Deine Beiträge hier sind ein Lesegenuss. Nur weiter damit !! :D
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Sibylle Luise » 13.06.2010, 21:02

Hallo, Peter,

Peter hat geschrieben:Die Frage wäre, wie man den "Tenor" der Redakteure ändern könnte, diesen passendes Material liefert, dass sie "negativ was gutes" für den Circus schreiben lassen. :mrgreen:

Information, Information, Information - und dabei offen auch kritische Themen ansprechen. Wenn etwas schiefgeht, kann man nicht, wie es leider immer noch einige Zirkusse machen, den Kopf einziehen und hoffen, dass der Sturm schon wieder abziehen wird, sondern muss schnell reagieren, sich öffnen und klar machen, dass man kritikfähig ist.

Ich habe in den wenigen Monaten, die ich jetzt in dem Bereich unterwegs bin, ein bisschen den Eindruck bekommen, dass zum einen teilweise dilettantisch gearbeitet wird (Marketing und vor allem PR sind heute ein so komplexer Bereich, dass man nicht einfach irgendjemanden, der halt einigermaßen Deutsch kann und sich für Zirkus interessiert, darauf loslassen sollte. Gute PR ist nicht nur Tagesgeschäft und duzi-duzi mit Journalisten, sondern ist mit einem Marketingkonzept verzahnt und findet im Rahmen langfristiger Planung statt) und dass zum anderen bei vielen Zirkussen eine zwar verständliche, aber im Umgang mit der Presse fatale Aggressivität gegenüber Tierschützern/Tierrechtlern eingetreten ist. Natürlich ist es nervig, dass man in dem Bereich immer wieder dieselben (mehr oder minder dummen) Fragen beantworten soll; natürlich ist es nervig, dass man immer wieder mit demselben Kram konfrontiert wird, aber wer damit nicht geduldig und gelassen umgehen kann, ist als Pressesprecher am falschen Platz. Es ist nun mal so, dass Pressearbeit nur dann wirkt, wenn die Kernbotschaften immer wieder ausgesendet werden.

Liebe Sybille, Deine Beiträge hier sind ein Lesegenuss. Nur weiter damit !! :D

Danke, danke. Ich fühle mich jetzt richtig herzlich aufgenommen.

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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Reinhard » 14.06.2010, 18:27

Bin heute mal zu meinen Zeitschriftenhändler gegangen und habe mir das Juniheft des Pferdemagazins Pegasus gekauft. Dort über 5 Seiten ein Artikel überJana Mandana mit einigen schönen Fotos. Der Artikel ist sehr gut geschrieben und sehr lesenswert.

Gruss
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Sibylle Luise » 14.06.2010, 18:58

Dankeschön, lieber Reinhard,

es hat auch Riesenspaß gemacht, den Artikel zu schreiben. Jana ist eine so bemerkenswerte Frau und obwohl ich bestimmt schon seit 30 Jahren mit Pferden zu tun habe, sind mir, als ich sie für den Artikel beobachtet und mit ihr gesprochen habe, ein paar Kronleuchter aufgegangen.

Nur ist mir übrigens heute, als ich den Artikel noch mal angeguckt habe, aufgefallen, dass mir ein kleiner Fehler unterlaufen ist: Ich habe Jana dunkle Augen zugeschrieben. Hat sie aber gar nicht. Ihre Augen sind tiefblau.

Und mir fällt gerade ein: Ich habe auch noch eine Pressemitteilung und ein wunderschönes Bild von Jana und ihrem Araber-Lausbuben Jassi zu bieten. Falls Du neugierig bist:

http://www.hkm-sportsequipment.eu/avant.cms/shop_diverses/presse_artikel.php?id=121
steht die Pressemeldung zu Janas Verbindung mit dem neuen Sponsor HKM und unter
http://www.hkm-sportsequipment.eu/avant.cms/shop_diverses/images/presse/Jana_Mandana.jpg das Bild, auf dem die blauen Augen richtig zur Geltung kommen.

Herzlich
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Re: Circus von hinten gesehen

Ungelesener Beitragvon Admin » 21.05.2014, 16:50

Sibylle Luise hat geschrieben:Nur ist mir übrigens heute, als ich den Artikel noch mal angeguckt habe, aufgefallen, dass mir ein kleiner Fehler unterlaufen ist: Ich habe Jana dunkle Augen zugeschrieben. Hat sie aber gar nicht. Ihre Augen sind tiefblau.


Passt dann auch zu KRONE und Bayern. ;)
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