Schicksale jüdischer Zirkusartisten

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Schicksale jüdischer Zirkusartisten

Ungelesener Beitragvon Circusworld » 16.11.2017, 20:09

NS-ZEIT
»Ein blinder Fleck«
Die Schicksale jüdischer Zirkusartisten sind kaum erforscht. Ein aktuelles Projekt will das nun ändern

ene Bento tritt im Clowns-Trio und bei der Elefantendressur auf. 1943 ist das, eine jüdische Artistin in der Manege des »Circus Althoff«, zu einer Zeit, wo so etwas eigentlich längst undenkbar ist. Das Publikum von Irene Bento weiß von ihrer Herkunft nichts.

Die Menge weiß auch nicht, dass der junge Zirkusdirektor Adolf Althoff in den anliegenden Wagen noch mehr Juden versteckt: Irene Bentos kleinen Sohn etwa, ihre Schwester und ihre Mutter, die aus der alten Zirkusfamilie Lorch stammt. Auch ein Marokkaner hält sich hier verborgen. In jeder neuen Stadt kommt die Angst vor den Kontrollen der Gestapo. Um schnell reagieren zu können, hat der Circus Althoff seine Wagen umgebaut. Zwischen den drei Waggons, in denen die Familien leben, gibt es einen schmalen Verbindungsgang zur Flucht. Alle Versteckten im Circus Althoff werden die NS-Zeit überleben.

»Es gibt keine Größenordnung, wie viele jüdische Artisten von Verfolgung betroffen waren«, sagt Roxana Küwen, selbst Artistin und Mitglied beim Kollektiv CiNS (Circus im Nationalsozialismus), das sich mit Zirkus zur NS-Zeit auseinandersetzt. Es ist ein wenig erforschtes Terrain.

AUSSENSEITER »Es gibt im Bereich Zirkus kaum Geschichtsaufarbeitung«, so Küwen. Wegen der Außenseiterstellung des Zirkus gibt es wenige Archive, wenig schriftliche Überlieferung und lange Zeit auch wenig Interesse von Historikern. Oder von Zirkussen selbst. Die Gruppe CiNS bekommt auf Anfragen von ihnen entweder keine Antwort oder Absagen. »In den Chroniken, die die Zirkusse schreiben, findet die NS-Zeit nicht statt«, so Küwen. »Es ist ein blinder Fleck.«

Den blinden Fleck wollen Küwen und ihre Kollegen seit 2005 mit Bildern füllen. Denn der Zirkus, der seit jeher Grenzen überschreitet und alle möglichen gesellschaftlichen Außenseiter beschäftigt, darunter Juden, Sinti und Roma, Jenische, Schwarze und Menschen mit Behinderung, ist für Nationalisten früh störend – und gleichzeitig ein wichtiges Propagandainstrument.

Wie, will CiNS herausfinden, reagierten deutsche Zirkusse auf den Nationalsozialismus? Und was geschah mit den vielen Artisten, die keine »arische Abstammung« hatten? Irene Bentos Geschichte ist eines der wenigen Einzelschicksale, das gut dokumentiert ist. Denn die Artistin, die nach Kriegsende wieder im Zirkus auftreten wird, hat ihre Erinnerungen in dem Buch Der Clown und die Zirkusreiterin verarbeitet – ein Glücksfall für die Forschung.

Mehr unter: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/30126

Kommentar: Ein langer sehr guter Artikel.
Sehr gut, wenn hier nun auch eine historische Aufarbeitung stattfindet.
:!:
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