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Buchela, Frankello und die Affen

Ungelesener BeitragVerfasst: 23.03.2010, 12:31
von Johannes
Buchela, Frankello und die Affen

Schon als kleiner Stropp war ich vom Circus fasziniert. Etwas, das ich bis heute nicht verloren habe. Auf dem Schulweg lag in Remagen der "alte Sportplatz", früher Circusplatz der Stadt Remagen und wenn ich morgens entdeckte, dass sich hier erste Circuswagen ansammelten, war es um meine schulische Konzentration geschehen. Ob die Elefanten haben? Clowns? Was für Artisten wohl zu sehen sind? Das alles interessierte mich dann weitaus mehr als der Unterrichtsstoff der Grundschule. Aber eine Frage war noch dringender: Wie komme ich ins Zelt? Wie komme ich an das Eintrittsgeld für Vorstellung und Tierschau? Wenn ich dann freiwillig anbot, den Rasen zu mähen oder Einkäufe zu erledigen, war meine Mutter oft schnell im Bilde. Doch reichte bei 5 Kindern und einem Einkommen das Geld oft nicht für einen solchen Luxus wie Circus.

Meist fand sich bei den Wandercircussen eine mitleidige Seele, die auf die Frage "Kann ich helfen?" mit Verständnis reagierte. So war es eines Tages auch bei Frankello. Mutig klopfte ich an die Türe des Direktionswagens und wurde zum Tragen der leichten Sturmstangen "eingestellt". Auch als das Chapiteau schon hochgezogen war (natürlich durch die Angestellten und per Muskelkraft), gab es immer noch etwas zu tun. "Passt nur ja bei den Tieren auf, die beissen zum Teil" warnte uns damals ein Mitarbeiter. so schlugen wir einen respektvollen Bogen um die Tiere, vor allem um die Affen, die als besonders angriffslustig geschildert wurden". Am Nachmittag vor der Vorstellung hielt ein Taxi am Circusgelände. Zunächst entstieg ein junger Zigeuner (wie wir später erfuhren, war es Wolfgang Meerstein), der in einen Zirkuswagen ging und bald mit fröhlich schwatzenden Artisten wieder heraus kam. Mit viel Hallo empfingen Sie am Taxi eine alte Dame, die gerade mal 1 Meter 50 groß war. Es war die "Buchela" (Margaretha Goussanthier/Meerstein, die unter Buchen geboren wurde), die Seherin vom Rhein. Sie wurde mit großem Respekt begrüßt und es schien schon uns Kindern so, als wenn einige junge Frauen sich bei ihrem Anblick rasch verdrückten. Wir hatten schon von ihr munkeln hören. Könige und Bundeskanzler gingen bei ihr ein und Aus und sie alle verehrten "Buchela", die Wahrsagerin in Deutschland schlechthin. Das war sie also. Für uns mindestens so eindrucksvoll wie der ganze Circus. Sie ließ sich das Unternehmen zeigen und schließlich trat sie auch an den Affenwagen. Die stets wild lärmenden und kreischenden Tiere waren plötzlich absolut still. Die Buchela streckte eine Hand aus, trotz der Warnung der Circusleute vor den bissigen Tieren. Zum Erstaunen aller schmiegten sich die Tiere an die Hand der Buchela, als käme eine alte Freundin zu Besuch. Sie reichte Leckereien und murmelte Worte in einer fremden Sprache. Ein Getuschel und Staunen setzte ein. Übrigens drückten wir uns in der Vorstellung dann auf den "erarbeiteten" Rängen, während sich die berühmte Wahrsagerin in der teuren Loge über das Programm freute wie ein Kind. Frankello ist schuld an meiner Circus-Infektion, die ich heute noch habe. Aber auch die Buchela blieb mir unvergesslich.

Re: Buchela, Frankello und die Affen

Ungelesener BeitragVerfasst: 23.03.2010, 21:08
von Markus Hoffmann
Ich erinnere mich noch daran,als der Wolfgang Faschingsprinz war.Die Buchela hatte viele Freunde und bekannte unter den Circusleuten.Einen Affen hat sie damals selbst gehalten.