Adelheid Hein

Portraits und Informationen über Circusdirektoren/Innen
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Gisela
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Adelheid Hein

Ungelesener Beitrag von Gisela » 08.07.2007, 16:17

Zum Gedenken an Adelheid Hein

Am 18. Januar 1994 entschlief im 82. Lebensjahr die Circusdirektorin Adelheid Hein. In Insiderkreisen ist Tante Adelheid, wie sie liebevoll genannt wurde, schon zu Lebzeiten eine Legende gewesen.

Am 29.April 1911 im schlesischen Eiserndorf als älteste von 13 Kindern im Kleincircus ihres Vaters geboren, musste sie schon als Kind hart arbeiten.Die Mutter war zeitig gestorben, und Adelheid musste ihre sieben überlebenden Geschwister nicht nur versorgen, sondern auch mit erziehen.

Gleich nach der Eheschließung mit dem Artisten Rudolf Hein gründete sie mit ihrem Mann eine Varieteshow, mit der sie durch kleine Orte reisten, dies war 1933. Der 1939 beginnende Krieg setzte dem ein schnelles Ende, denn Rudolf Hein wurde Soldat, und Adelheid ging wieder zum Circus ihres Vaters zurück.

Erst 1948 ging der Circus Hein in der ehemaligen Ostzone wieder auf Tournee, aber vorerst nur mit Rundleinwind ohne Chapiteau.Erst 1950 konnte dann ein Schmucker 2-Master angeschafft werden. Nachdem Adelheids Vater 1953 sein Geschäft aufgaben und Onkel Oskar Sperlich seinen Circus auflöste, kamen viele der Sperlichs- Verwandten zum Circus Hein, und das typische Familienunternehmen vergrößerte sich, die Programmgestaltung wurde damit wesentlich leistungsstärker. Am 21. März 1959 verstarb plötzlich und unerwartet Rudolf Hein.Die große Last der Verantwortung, ein solches Privatunternehmen durch eine schwere Zeit zu führen, lag nun allein auf den schultern von Adelheid Hein.

Sie hat es mit Bravour gemeistert, die junge Generation bei Hein hatte Respekt vor der Direktorin und hat sie in allen Dingen unterstützt. War sie als Kind und junge Frau in vielen Sparten der Artistik selbst in der Manege aktiv, so war sie jetzt meist im Kassenwagen anzutreffen.Eine umsichtige Geschäftsführung, gradlinig und vertragstreu, war ihre Devise, wartete man doch staatlicherseits nur darauf, dass sie Fehler machte, um ihr die Lizenz zu entziehen und den Circus zu schleßen.Obwohl er von Staatscircus aus nie in den Groß-, Bezirks- und Kreisstädten gastieren durfte, war der Circus Hein in der ehemaligen DDR zu einem Begriff für Sauberen Circus geworden.

1986, an ihrem 75. Geburtstag, übergab sie den Circus Hein an ihren Neffen Rudolf Sperlich.Gemeinsam mit Adelheids EnkelVernando Hein als künstlerischer Leiter und mit tatkräftiger Unterstützung aller Sperlich-Familien, die noch im Circus waren, nahm zur Freude Tante Adelheids derCircus Hein eine positive Entwicklung. Die alte Prinzipalen war stets auf dem Circusspatz anzutreffen,ihr Rat war bis in die letzten Tage gefragt. Sie war eine aufrichtige, gläubige charakterfeste Circusdirektorin, sie war aber auch für alle Familienangehörigen eine liebe Mutter, Oma und Tante.

Wir haben Tante Adelheid Mitte der 80. Jahre kennen uns schätzen gelernt, sie war oft bei Vereinveranstaltungen zu Gast.
LG.Gisela

Ein Zirkus ohne Tiere? NEIN!!!
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