Eisbärdompteur Siggi (Siegfried Meier)

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Circusworld
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Eisbärdompteur Siggi (Siegfried Meier)

Ungelesener Beitrag von Circusworld » 08.11.2018, 00:45

Siggi (Siegfried Meier)

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Siggy wurde am 3.1.1925 in Schwarzenberg geboren, doch schon am 2.4. 1935 übersiedelte seine Familie nach Straubing. In seiner Freizeit geht Siggy einem eher nicht alltäglichen Hobby nach, dem Boxen. Er wird dann so gut, das er bald um die süddeutsche Meisterschaft kämpfen konnte. Ein ständiger Besucher dieser Boxkämpfe und Fan von "Siggy, dem Boxer" ist der ehemalige Sattlermeister Huber des Circus Krone. Schon immer eine Freund der Tiere zeigt Siggy großes Interesse an dem damals noch gigantischen Unternehmen Krone und den vielen Tiergruppen. Auf Vermittlung dieses Herrn Huber beginnt dann Herr Meier seine Tätigkeit bei Krone und wird zunächst dem Betriebsinspektor Carl Lichtenthal, welcher früher selbst Raubtiergruppen präsentiert hat, zugeteilt. Mit einem Auge blinzelte er jedoch schon damals immer zu den Eisbären, die es ihm besonders angetan hatten. Vorführer dieser Gruppe aus 10 Eis-und 2 Kragenbären war damals der später von einem Tiger getötete William Schäfer. Der Unfall ereignete sich mit dem Riesentiger "Ganges" am 23.5. 1957 in Kufstein beim Gastspiel des italienischen Circo Darix Togni. Ausgerechnet die arglistigen, äußerst gefährlichen, "Könige der Arktis" gefielen also dem jungen Tierfreund Siggy besonders gut. Im Juli des Jahres 1952 bat er dann seinen Chef Carl Sembach, doch dieser Gruppe überstellt zu werden. Sembach verneinte jedoch zunächst und bat um Geduld bis zur Winterspielzeit im Krone-Bau in München. Als dann jedoch der bisherige Tierpfleger von einem Bären in die Hand gebissen wurde, bekam Siggy seine Chance. Im Herbst 1952 kommt er als Tierpfleger zu den Krone Eisbären. Als der damalige Chefdresseur des Hauses Krone, Gustav Orth (sie nannten ihn alle nur Papa Orth) merkte, welches "Händchen" dieser junge Tierpfleger für seine Tiere entwickelte, nimmt er ihn erstmals 1953 mit in den Zentralkäfig zu drei jungen Eisbären! Alles ging gut und nun durfte der junge Dompteur als Assistent dem Tierlehrer William Schäfer ein halbes Jahr im Käfig zur Hand gehen.
Nach Siggys kurzer Assistenz bei Schäfer muß er dann jedoch erst mal zu den acht Löwinnen von Erich Treska wechseln. Die Tiere lagen ihm jedoch nicht besonders und so kommt er zunächst wieder als Pfleger zu seinen über alles geliebten weißen Bären.1954 verläßt William Schäfer den Circus Krone und wechselt zum Circo Darix Togni um dessen Tigergruppe vorzuführen, doch die Tragik, welche mit diesem Wechsel verbunden ist habe ich schon hier erwähnt.. Als ehemalige Schülerin von Gustav Orth (und zuvor von Sepp Wiesner) übernimmt nun Doris Arndt zusammen mit ihrem Ehemann Alfons 1954 die große Polarbärengruppe des Circus Krone. Nachdem es jedoch schon nach kurzer Zeit zu Unstimmigkeiten zwischen Alfons Arndt und der Direktion des Hauses Krone gekommen war (auch privates eine Rolle spielte) trennt Doris sich von ihrem Ehemann, der den Circus verlassen muß. Nun endlich ebnen sich die Wege auch für einen evt. Dompteur Meier. Carl Sembach läßt ihn zu sich kommen und stellt ihm die so sehr ersehnte Frage, ob er noch an einer Arbeit im Zentralkäfig interessiert sei. Aber natürlich war er und bejahte die Frage mit : Selbstverständlich!" Von da ab steht Siegfried Meier neben Doris Arndt im Zentralkäfig und asiistiert. Sie arbeiten dann u.a. in Frankreich, 1956 beim Cirque Rancy, 1957 im Blackpool Tower Circus 1959 im dänischen Cirkus Benneweis und im Winter mal wieder im Circus Krone-Bau in München. Während der Sommersaison 1960 arbeitet die Krone-Bärengruppe mit Doris Arndt im Circus Paula Busch, bis Ende 1960 die große Nummer prachtvoller Polarriesen an den Circus Carl Althoff verkauft wurde. Hier arbeitet Doris Arndt nun endgültig ihren ehemaligen Tierpfleger Siegfried Meier in die Nummer ein, der sie ab jetzt auch allein bei Carl Althoff vorführen wird. Doris Arndt ist übrigens beim Gastspiel in Vechta auf dem Platz "Stoppelmarkt" ausgeschieden und zu ihrem Stammunternehmen Krone zurückgekehrt. Einige arbeitet Siggy dann überaus erfolgreich mit der Bärengruppe------- bis auch er am 16.5.1964 in Frankfurt/Main auf dem Circusplatz "Ostpark" einen folgenschweren Unfall mit dem Eisbären-Bruderpaar "Nordpol" und "Narvik" erleiden muß und lebensgefährlich verletzt wurde. "Nordpol" war der Angreifer so erzählte mir Siggy später einmal, obwohl er nicht gerne über diesen Unfall sprach. Die Zeit war noch nicht reif für Personen, die sich mit so etwas interessant machen müssen. Auch erzählte mir Siggy, das Eisbären (wenn möglich) niemals nebeneinander sitzen sollten, weil sie miteinander kommunizieren. Für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff entwickeln sie eine regelrechte Strategie nach Plan, um dann mit ihrer Urgewalt entsprechend ihrem cholerischen Charakter loszusclagen. Genauso ereignete sich auch der grauenhafte Angriff 1974 in Danzig auf die Jungdompteuse Ebba Williams. Der Circus Carl Althoff gastierte in Polen, als eben auch wieder die Eisbären "Nordpol" und "Narvik" sich vom Pyramidenturm auf die bedauernswerte Ebba stürzten. Alle Personen, auch Dompteure wie Sergio Casagrande II, der Ebbas damaliger Freund war, standen, wie Siggy mir erzählte, Posten,versuchten von außen alles, das Leben der jungen Frau zu retten, was letzlich aber nicht gelang. In Tüchern habe man sie hinaustragen müssen Die junge Frau hatte bereits lange vorher schon bei verschiedenen Unternehmen "Blut geleckt" im Pferde-Exoten und Elefantenstall gearbeitet, ging dann aber zu einer Tante nach America und heiratete dort einen Americaner mit dem in Circuskreisen so beliebten Namen Williams. So mußte sich doch auch in deutschen Circussen Karriere machen lassen. Bei Carl Althoff ergab sich dann die Möglichkeit, die gefährlichen Eisbären vorzuführen, was sie sofort nutzte, bis dann in Danzig ihr junges Leben von zwei Polarriesen ausgeloscht wurde. Siggy, der damals bereits Tierpfleger bei den Eisbären war und in Danzig auch dabei war, hat mir das noch viel detaillierter geschildert, was ich hier aber nicht aufschreiben möchte. Iwan Dimitry der auch schon zuvor mit dieser Eisbärengruppe gearbeitet hatte wurde dann nach Danzig gehol, um rauszubekommen, ob diese nun zu "Mördern" gewordenen Tiere noch für weitere Vorführungen taugen. Das allein zu erzählen, würde für eine neue Geschichte reichen, doch das wird hier zuviel. Ich sage nur, das Iwan die richtige Hand für diese Gruppe hatte, denn nach ihm haben noch etliche, wie Corty Althoff selbst, auch Charly Dube,, Erich Leuzinger,, Vladimir Oppelt, Iramee (Rosemarie Ranitz) Dompteur Tibor (Robert Kägi) u.a.diese brisante Gruppe vorgeführt. Immer als Tierpfleger dabei unser Siegfried Meier, bis dann 1984 die älter werdende Gruppe, an Herrn Erick Klant-Hagenbeck abgegeben wurde. 6 Tiere dieser Nummer gingen dann mit Tibor zum circus Orlando Orfei nach Brasilien, wo sie auch noch von Fredy Gafner ein halbes Jahr gezeigt wurden, um dann endgültig in die Hände von einem Deutsch-Argentinier mit Namen Jorge Marzer zu wechseln. Bis in die 90.ger Jahre arbeiteten immer noch 3 Tiere dieser ehemals riesigen Nummer. Auch "Svenny" der alte Haudegen war bis zuletzrt dabei.Alle anderen Tiere dieser Gruppe verschenkte Herr Klant dann noch an die Zoos von Straubing ind Cairo. Bis 1987 war Siggy dann noch für Herrn Klant und Fredy Gafner mit der neuen Polarbärengruppe tätig, bis er dann einen schönen Platz im Altersheim "am Bürgerpark" in Osnabrück bezog. Immer wenn ein Circus in erreichbarer Nähe gastierte, habe ich Siggy abgeholt und mitgenommen. Oft war er auch noch bei uns zu Hause und Weihnachten haben wir mit ihm bei Plätzchen und Kuchen, die meine Frau gebacken hatte, den Nachmittag des Heiligen Abend verbracht, doch Siggy wurde hier ein ganz anderer. Er hatte dann schon oft keine Zeit mehr, zum Circus zu fahren, weil in dem Heim ständig irgendwas gefeiert wurde, wobei Siggy, der soweit gereist war und soviel erlebt hatte, der Hahn im Korbe war. Er hatte noch ein wunderbares Leben dort und als ich gerade beim Festival in Monte Carlo war, erreichte uns die Nachricht, das Siggy friedlich eingeschlafen sei.In der Dodesheide, einem Stadtteil von Osnabrück wurde er dann beigesetzt. Viele, viele Stunden habe ich Siggy bei seiner Arbeit und später privat begleitet und möchte die Erinnerungen an einen knorrigen, doch äußerst liebenswerten Menschen niemals missen

Günter Starkebaum
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