Otto Mark

Über Führungskräfte und Arbeiter beim Circus
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Othmar
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Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:43

Liebe Freunde

Ich eroeffne diesen Tread eines aussergewoehnlichen Zirkusmenschen der hier fuer viele seines Schlages stehen soll. Ohne Menschen wie Otto Mark wuerde es keinen Zirkus geben, sie sind die treibende Kraft hinter den Kulissen, die rechte Hand der Direktion. Diejenigen, die dafuer sorgen, dass der Zirkus reibungslos funktioniert, dass jeder neue Spielort zur Aufnahme des Zirkusses gebucht und vorbereitet ist. Dass Strom, Wasser, Muellabfuhr, Stroh, Heu, Fleisch, und die Verpflegung der Mannschaft sichergestellt ist. Aber auch dafuer sorgt, dass die Presse und Medien etwas zu berichten haben.

Otto Mark war ein Hansdampf in allen Gassen und hatte Beziehungen zu vielen Menschen und Behoerden ausserhalb des Zirkuses ueberall in Europa. Er war ein echter Zirkusmensch der sich nicht auf eine Aufgabe spezialisiert hat, der Zirkus schlechthin war seine Spezialitaet. Otto Mark war sehr oft der Mann, der alles machte, manchmal sogar die Aufgabe des Direktors selbst uebernommen hatte. Mit ungewoehndlcher Energie war er von frueh morgens bis spaet in die Nacht in seinem Buero und erledigte Aufgaben, die in anderen Zirkusen von mehreren erledigt wird und er tat dies alles mit einem Laecheln und mit seinem unvergleichlichen, manchmal zweideutigen Humor. Es war sein Humor und seine Guete, die alle ansteckte, die um ihn herum waren oder mit ihm zu tun hatten.

Otto Mark enstammt einer beruehmten Zirkusdynastie, welche bekannt wurde als hervorragende Pferdedresseure und Hohe Schule Reiter. Otto beherrschte die Hohe Schule des Bueros, sei dies als Geschaeftsfuehrer, Pressechef, Betriebsleiter oder gar als Vize-Direktor. Sehr oft, wie bei Carl und Corty Althoff wuerde er alle diese Positionen zusammen wahrnehmen.

Ich lernte Otto Mark kennen als ich zum Zirkus Carl Althoff kam und als der Betrieb aufgeloest wurde, gingen wir beide mit Corty Althoff. Otto Mark wurde fuer mich, damals noch ein richtiger Gruenschnabel, ein vaeterlicher Lehrer, der mich in allem, was mit dem Zirkus zu tun hatte, unterrichtete. Es war Otto Mark, der mich zum Zirkusmenschen machte. Sein Leitspruch war: ?Othmar, es ist gut, ein Tierlehrer zu sein, aber es ist besser, alles zu wissen, was mit Zirkus zu tun hat?. Dank seiner Aufassung lernte ich nicht nur Tiere zu dressieren sondern auch Geschaeftsfuehrung und Verwaltung.

Ich bin mir sicher, dass viele Menschen vom Zirkus aber auch Zirkusfreunde Erinnerungen an Otto Mark haben und ich moechte euch alle einladen, hier eure Erinnerungen und Erlebnisse mit "Mister Circus" wie ich Ihn herzlich nenne, mitzuteilen.
Moegen alle deine Tage Zirkustage sein voll Freude und Heiterkeit.

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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:44

Der hochnaesige Artist.

In einem Jahr hatten wir einen Artisten, dessen Namen und Taetigkeit ich nicht erwaehnen moechte hier, engagiert. Der Artist war gut und man hat sich in der Direktion entschieden, dass er die ?Plakatnummer? sein soll.

Nach einiger Zeit jedoch schien dies dem Artisten zu Kopf zu steigen wie das Bier. Die ewigen Zeitungs- und TV Berichte ueber ihn liessen den Artisten tatsaechlich glauben, dass er etwas besseres sei der Rest von uns.

Mich kuemmerte das weiter nicht, bis dieser Artist anfing, die Tierpfleger herablassend zu behandeln, wenn diese ihm im ?Wege? standen. Zur gleichen Zeit fing er auch an, von ?Stinkenden Elefanten, Pferden und Tigern? zu reden im Sattelgang. Waehrend eines unser taeglichen Gespraeche mit Otto Mark sagte ich so nebenbei: ?Der ??. geht mir auf die Nerven mit seiner Wichtigtuerei und wenn er mal zum Doktor muss mit einem Peitschenstriemen ueber seinem Ruecken, weisst Du wer´s gemacht hat?. Daraufhin sagte Otto, wie ich ihn nennen durfte: ?Lass det mal bleibe Othmar, den kauf ik mir selber?. Otto sprach mit einem Schlag von Preussisch. Oh ja, ich weiss man sagt eigentlich ?Berliner? aber Otto bestand immer darauf, dass er ein Preusse sei und die Sprache eben Preussisch.

Ein paar Tage spaeter sah ich Otto mit dem besagten Artisten auf dem Zirkusgelaende rumlaufen. Otto, der immer eine Brille trug -aber nicht an diesem Tag, zeigte mit dem Finger nach oben und sagte ?Was steht da oben auf dem Chapiteau? der Artist antwortet ?Circus Carl Althoff, Senior Mark?. So ging das weiter, das seltsame Paar machte halt vor fast jedem Wagen und ueberall war die Antwort dieselbe ?Circus Carl Althoff, Senor Mark?.

Am Ende bleibt Otto stehen und mit einem warmherzigen Laecheln im Gesicht sagte er ?Sie meinen, dass von all dem hier? und machte eine grosse umgreifende Geste mit dem Arm ?nur auf zwei Wagen ihr Name steht und natuerlich auf allen Plakaten, aber immer unter dem Namen Althoff?" ?Ja, Senor Mark? sagte der Artist ?aber warum fragen mich, Senior Mark, all diese Fragen?? Otto Mark sagte so unschuldig wie moeglich ?Oh, nichts besonderes eigentlich, ik wollte nur janz sicher gehen wer der Circusstar ist hier und allem Anschein nach ist es Carl Althoff und nicht Sie?.

Von diesem Tag an war der Artist wieder sehr freundlich mit seinen Kollegegen und den Zirkusarbeitern. Dies war typische Otto-Mark-Diplomatie. Jemand sagte einmal, dass Otto Mark jemandem sagen koennte, er sei ein Idiot und dieser wuerde das als Kompliment auffassen. Ich glaube, Otto konnte das wirklich, wenn er wollte.
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:45

Immer ein Gentleman.

Otto Mark war immer eine tadellose und gepflegte Erscheinung mit einem kleinen Hang zum Extravaganten. Otto?s ?Trade Mark? waren seine Huete und Krawatten mit Zirkusmotiven, davon hatte er eine grosse Sammlung. Fuer jeden Anzug hatte er einen in den Farben abgestimmten Hut mit breiter Krempe, einige waren Stetsons andere waren Havanna Huete. Otto rauchte Zigaretten, welche er sich immer an einen Zigarettenhalter steckte und manchmal auch Zigarren. Auf seinem Bueroschreibtisch stand ein silberner Aschenbecher und ein Foto seiner Frau in einem Goldenen Rahmen.

Alles war immer blitzsauber bei den Mark?s, sobald der Wohnwagen auf einen neuen Platz gestellt war, wurde dieser von oben bis unten gewaschen und auch der Mercedes. Fuer Frau Mark war jeder Aufbautag auch ?Fruehlingsputz?, sie wuerde das ganze Innere des Wohnwagens sauber fegen und schruppen. Sobald dies getaetigt war, fuhr sie mit einer grossen Ladung ihrer Kleider und Anzuegen von Otto in die Reinigung. Otto, aber auch Frau Mark, wuerden niemals in einer Woche mit den selben Kleidern oder Anzuegen zu sehen sein. Beide liebten Schmuck, Otto hatte mindestens drei grosse, goldene Fingerringe an seinen Haenden, eine goldene Uhrkette, goldene Manschetten mit Tiermotiven und goldene Krawattenspange, fuer ihn war das Standard-Ausruestung und oft waren es speziell angefertigte Artikel. So hatte er eine Anstecknadel aus Gold mit dem Zirkus Carl Althoff Logo und mit Diamanten verziert.

Als er sich einmal den Knoechel verstaucht hatte, war ihm eine normale Kruecke zu schaebig. ?So kann ich doch nicht bei Buergermeistern vorsprechen? meinte er. Flugs kaufte er sich einen wunderschoenen Gehstock mit Siber Griff, der einen Loewenkopf darstellte. Der Stock selbst war aus pechschwarzem spanischen Rohr gefertigt mit einer verzierten Siberspitze. Das Ding musste ein kleines Vermoegen gekostet haben, jedoch war es das Otto wert, der immer sehr auf seine Erscheinung bedacht war und den Eindruck, den er bei jedem hinterliess. Einmal sagte er zu mir: ?Man kann mir vieles Nachsagen, aber niemals dass ich aussehe wie ein Penner?.

So ausgestattet war Otto immer eine sehr elegante Erscheinung und repraesentierte den Zirkus als artikulierter und gut gekleideter Geschaeftsmann. Ich war immer schon davon ueberzeugt, dass Otto nicht nur erfolgreich war, weil er gut bei seiner Arbeit war, sondern auch weil er mit seiner vornehmen Erscheinung Respekt einfloesste bei den Behoerden.

Oftmals stand Otto auf den Treppen von Buerowagen Nr. 3 und betrachtete die Leute, als sie an ihm vorbei in´s Zelt wanderten. Manche Leute wuerden zu ihm hochsehen und dann an die Kinder gewandt, sagen ?Sieh, hier ist der Herr Direktor? Darauf wuerde Otto laecheln und charmant sagen ?Ich bin nicht der Herr Direktor, ich sehe nur so aus.?

Was Otto, aber auch seine Frau, von vielen anderen unterschied war, dass beide den jeweiligen Zirkus, in denen Otto arbeitete, als ?Ihren Zirkus? betrachteten. Aber sie beide waren auch immer hoeflich und halfen jedem, der es benoetigte, fuer sie gab es nicht die da oben und jene dort unten. Alle im Circus waren gleich wichtig. In kurz, die Marks waren Leute mit Klasse, aber trugen nie ihren Kopf ueber den Wolken oder bildeten sich ein, etwas Besseres zu sein als andere.
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:56

Spitznamen.

Jeder im Zirkus hat seinen Spitznamen und viele Artisten, aber auch Arbeiter haben Ihren Spitznahmen Otto Mark zu verdanken, der sie nun ein Leben lang verfolgt.

Otto war eine endlose Fundgrube fuer Spitznamen, niemand im Zirkus wurde mit seinem normalen Namen angesprochen. Sobald ein neuer Arbeiter oder Artist zu uns kam, hatte Otto ihm einen Spitznamen gegeben der diesem, wie mir, oft ein Leben lang anhaften wuerde. Die meisten der Namen waren auf Herkunft oder Arbeit bezogen, andere auf das Erscheinungsbild der Person, aber sie waren immer treffend.

Das "Pferd" lachte so laut und in einem Tonfall das einem Pferdewiehern sehr aehnlich kam, der "Lange", von dem ich im Forum kuerzlich kurz geschrieben habe und der auch Peter bekannt ist war ein zwei Meter grosser, ostfriesischer Bengel, ich war der "Schwytzer" natuerlich weil ich aus der Schweiz kam, aber auch in Anlehnung an meinen Arbeitswillen. Ich malochte oft wie ein Besessener, um alles zu lernen, was mit Zirkus zu tun hatte.

Dann war da auch eine gewisse Dame, die in vielen Zirkussen reiste. Ihr sagte man nach, und ich habs miterlebt, das sie mit nichts kommt und weggeht mit einem Mercedes, neuem Wohnwagen und Pelzmaentel. Diese Dame verdrehte den Maennern die Koepfe und verwandelte diese in hirnlose Idioten. Manchmal gab es sogar Schlaegereien um das Vorherschaftsrecht der Dame unter den ledigen Maennern. Otto taufte sie kurzerhand "Miss Matratze" und sie fand das auch noch lustig und amuesierte sich dabei.
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:58

Der Witze Erzaehler.

Otto konnte stundenlang Witze erzaehlen, die sogar den eher trockenen Corty Althoff zu Lachkraempfen hinrissen. Wie immer wenn Maenner zusammenkommen, werden meistens Witze erzaehlt, die man nicht veroeffentlichen kann.

Einer der harmloseren, den ich heute noch echt lustig finde, werde ich hier weitergeben.

Der Zirkusdirektor betrachtet sich eine Probe der neulich engagierten Seillaeufer Truppe. Auf einmal stuermt ein Mann ins Chapiteau, klettert in Windeseile den Mast hoch, rennt ueber das Seil und saust wieder den Mast runter und verschwindet in Riesensaetzen aus dem Chapiteau.

Der Zirkusdirektor war dermassen beeindruckt, dass er den Mann sofort suchen und herbringen laesst. In kurzer Zeit wurde der Mann gefunden und zum Direktor gefuehrt.

"Ich bezahle ihnen 500 Mark die Woche, wenn sie diesen Trick in jeder Vorstellung zeigen" sagte der Direktor.

"Ich kann das nicht machen" erwiderte der Mann.

"Gut ich Bezahle ihnen 1000 Mark pro Woche"

"Ich habs doch schon gesagt??." Der Mann konnte nicht fertig reden, der Direktor unterbrach ihn.

"Eine hartes Geschaeft betreibt er wohl, gut denn werde ich ihm 2000 Mark die Woche bezahlen, ist er endlich zufrieden?" Sagte der Direktor sichtlich aergerlich.

Da schreit der Mann den Zirkusdirektor an, "Es ist mir scheissegal, wieviel Sie mir bezahlen wollen, ich kann mir nicht jeden Tag zweimal mit dem Vorschlaghammer auf die (zwischen die Beine) hauen."
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:58

Ungewoehnliches Geburtstagsgeschenk

Der “Alte Fritz”, nein, nicht der beruehmte Preussische Koenig, war zustaendig fuer die Ponys. Ein immer froehlicher Mann, der es liebte zu lachen. Aber jedesmal wenn er lachte, starrten die Leute ihn an, denn er hatte keinen einzigen Zahn im Maul. Dieser Umstand brachte es auch mit sich, dass der alte Fritz bei den Mahlzeiten sehr waehlerisch sein musste und nur Weiches ass.

Otto fand Erbarmen an Fritz und so kam es, dass an Fritzes Geburtstag Otto einen Fahrer beauftragte, mit Fritz zum Zahnarzt zu fahren und ihm neue “Beisser” zu verpassen. Natuerlich auf Kosten von Otto.

Eine Woche spaeter stolzierte ein strahlender Fritz auf dem Zirkusplatz herum und jeder betrachtete sein neues Gebiss. Otto ermahnte Fritz “Pass gut auf die Dinger auf, die haben mich en Vermoegen jekosted”.

Etwa zwei Wochen spaeter hielt sich Fritz die Hand vor den Mund als Otto an ihm vorbei ging und Fritz begruesste, Otto begruesste immer jeden, den er sah. “Was ist los Fritz, machen die neuen Zaehne Probleme?” wollte Otto besorgt wissen. Fritz murmelte etwas, das kein Mensch verstehen konnte. “Nimm die Hand vom Mund Junge, damit man dich verstehen kann” forderte Otto. Fritz tat so und Otto schrie entsetzt: “Wo sind meine Zaehne?” Fritz erwiderte aengstlich: “Nicht boese werden Chef, ich, ich ich, aeh ich habse ausjekotzt”. “Wat haste?” schrie Otto. “Ausjekotzt Chef”. “Wo?, Wie?,Warum?” Fragte Otto, sichtlich aergerlich.

Fritz erzaehlte, dass in der letzen Stadt ein paar Freunde und er in die Kneipe gingen, um seine neuen Zaehne zu feiern. Am Ende hatten alle ein paar Bier mehr, dann sie vertragen konnten. Auf dem Weg zurueck zum Zirkusplatz wurde Fritz uebel und er musste sich uebergeben ueber einem Gully, zu seinem Schreck sah er, wie seine Zaehne mit dem Mageninhalt in den Gully fielen.

Otto holte schnell sein Auto und ueberzog den Beifahrersitz mit Plastik, dann befahl er Fritz, sich ins Auto zu setzen und ermahnte ihn “Fass bloss nichts an, det Auto is blitzeblank sauber”. Fritz war nicht gerade die sauberste Person im Zirkus und roch immer nach Pferde und Schweiss.

Dann kurbelte Otto alle Scheiben runter und fuhr los, spaet am Abend kamen beide wieder zurueck. Als wir erfuhren, was geschehen war, mussten wir laut lachen. Otto ging mit Fritz in die letzte Stadt zurueck und fuhren die Strasse entlang, die Fritz mit dem Suff im Kopf gelaufen war. Bei jedem Gully hielt Otto an und Fritz musste den Gullydeckel hochheben und mit einer Schaufel im Schlamm und Matsch nach seinen Zaehnen suchen.

Waehrend dieser Operation wurde das seltsame Paar ein paarmal von der Polizei befragt, was hier geschehe. Der wortgewandte Otto ueberzeugte jedoch jedesmal, das er und Fritz vom Staedtischen Kanalisationswerk seien und die Gully’s kontrollieren. Fritz mochte vieleicht zehn oder fuenfzehn Gullys “kontrolliert” haben als er fuendig wurde.

Wir konnten uns das in unseren Gedanken ausmalen. Der immer gut gekleidete Otto neben seinem Mercedes stehend, während der arme ungepflegte Fritz im Schlamm nach seinen Zaehnen wuehlte und dabei immer schmutziger wurde und mehr zu stinken anfing. Otto bemerkte “Der Kerl stinkt wie Jauche und ich musste fuer dreihundert Kilometer neben ihm sitzen, det konnte ich nur aushalten, weil alle Scheiben runtergekurbelt waren. Den Tod werde ich mir holen wegen diesem Kloeten Paul.”

Natuerlich hatte Fritz von diesem Moment an seine Zaehne gehuetet wie seine Augaepfel und wenn er in die Kneipe ging, hat er die Zaehne zu Hause gelassen, Bier und Kurze muss man ja nicht kauen.
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:59

Shalom

Otto liebte Deutschland sowie die Kultur und seine Leute und er verabscheute den Einfluss der Amerikaner, die diese Kultur zu untergraben versuchten mit billiger Massenunterhaltung von Hollywood und Amerikanischen Fast-Food-Restaurants, aber auch der Mode und Musik. In vielen Dingen stimme ich ueberein mit dieser Tatsache.

Heute koennen wir ja leider nur zu gut sehen, was dieser Marsch zur “International Community” fuer unsere Nationalen Identitaeten tut.

Jedoch gab es einige Leute, die diese Vaterlandsliebe und Nationalbewusstsein als rassistisch ansahen oder Otto gar als einen “Unverbesserlichen Nazi” einstuften. Otto hatte die Angewohnheit, fast schon liebenswerte Marotte, den ganzen Tag lang eine von zwei Melodien zu summen, die eine war das “Deutschland Lied” und die andere war “Das wandern ist des Muellers Lust”.

In einer Saison hatten wir eine Artisten Gruppe, welche aus einer juedischen Familie bestand. Es dauerte nicht lange, bis diese Familie anfing ihre Meinung gegen Otto als “Unverbeserlichen Nazi” zu verbreiten..Es waere ein leichtes gewesen fuer Otto, sich dagegen zu wehren oder eine Konfrontation heraufzubeschwoeren. Ich selbst habe mich oft gewundert, warum sich Otto diese Geruechte gefallen laesst und nichts dagegen unternimmt.

Am letzten Tag der Saison hatte Otto die Familie zu sich in seinen grossen Wohnwagen eingeladen. Dort wartete eine Ueberraschung auf die Familie, ein Festliches Abschiedsessen in Juedischer Tradition. Waehrend dieses Anlasses hatte sich Otto mit der Familie in Jedisch unterhalten und zum Abschied sagte er “Shalom meine Freunde.”

Die Familie verliess den Zirkus tief beschaemt und den andern zeigte diese Tat, das nicht jeder ein Rassist oder “Unverbesserlicher” ist, nur weil er seine Heimat und Kultur liebt. Fuer mich war dies aber wiederum ein bewundernswerter Beweis, was fuer ein Diplomat Otto war und wie sehr er allen Menschen verbunden war, auch jenen, die ihn beleidigten. Er ueberzeugte Menschen mit Taten, nicht mit Reden und Heucheln.
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 00:59

Der Organisator

Es war drei Uhr morgens als ich aufwachte von einem lauten Gebruell: “Mark kommen Sie sofort in meinen Wagen”, es war unverkennbar Corty’s laute polternde Stimme. Die Althoff’s hatten auf ihren Wohnwagen und Buerowagen drei grosse Lautsprecher oder “Schreihaelse”, wie wir sie nannten. Musste jemand zum Buero oder zum Chef, ertoente das donnernde Ding laut und klar hoerbar fuer mindestens einen Kilometer.

Am naechsten Morgen fragte ich Otto: “Was war denn los gestern Nacht um drei Uhr?”
Gelassen erwiderte Otto: “Ach nix besonderes, der Alte hatte Damenbesuch, das macht wohl hungrig und er wollte, dass ich ihm was zu essen auftreibe.” Erstaunt erwiderte ich: “Was, drei Uhr morgens, wo kannst du was herkriegen um diese Zeit?” “Och” sagte Otto, “det is nicht so schwierig. Ich hab ihm ein Steak mir Pommes Frites und Gruenzeug und eine Flasche Wein organisiert” und dann drehte er sich um im Buero und sagte, wie so oft wenn er stolz auf seine Leistung war: “Hallo, Hallo eine Flasche Wein, das soll mir erst mal einer nachmachen und janz billich”.

Wie das heute ist in Deutschland, weiss ich nicht aber damals waren um elf Uhr abends alle Restaurants geschlossen. Dies war eine Meisterleistung, um drei Uhr morgens jemandem aus dem Bett zu holen und diese Person dann auch noch zum Kochen zu bewegen.

So ging das aber die ganze Zeit bei uns, wenn immer etwas erledigt werden musste in der letzen Minute oder ein “Hoffnungsloser Fall” besonderes Organisationstalent verlangte, hiess es: “Otto, geh mal schnell…", "Otto mach mal schnell…" und immer rannte Otto und war erfolgreich. Sei es, ob Otto mal eben schnell 1000 km zu Lappe fuhr und in einer Blitzaktion Plakate holte, die nie bestellt wurden oder vergessen wurden. Sei es, dass der Fleischlieferant anrief in der letzten Minute, um zu sagen, dass er kein Fleisch fuer die Tiger hat. Kein Problem! Otto wuerde innerhalb einer Stunde genuegend Fleisch finden, um alle Zoos und Zirkusse in Deutschland damit zu versorgen. Einmal fragte ich ihn: "Wie machste das alles Otto?" Seine Antwort war mit einem Augenzwinkern: "Freunde muss der Mensch haben, sie sind wichtiger als alles Geld in der Welt und wenn solche Freunde dir einen Gefallen schuldig sind, umso besser". Otto musste viele Freunde gehabt haben, die ihm einen Gefallen schuldig waren.

Nur dann und wann hatte Otto "die Schnauze voll" von der Rumraserei. In solchen Momenten - und es waren wirklich nur Momente -, sass er in seinem Buero und auch Corty Althoff musste geduldig warten. Ein komisches Bild, muss man sich vorstellen, Corty sitzt auf einem kleinen Holzstuhl, waehrend Otto auf seinem teuren, Leder-ueberzogenen Buerostuhl sass und Corty keines Blickes wuerdigte und von hinter der Zeitung sagte. "Jetzt werde ich misch nich von der Stelle ruehren, bis ich meine Zeitung von vorn bis hinten gelesen habe. Das einzige wat sich bewegt, sind meine Augen und die Finger beim umblaettern”. Darauf wuerde Corty, vieleicht daran erinnert, dass Otto ihm noch die Windeln wechselte, ganz hoeflich sagen: "Es hat Zeit Otto, wann auch immer Sie fertig sind, kommen Sie bitte in meinen Wohnwagen". Respekt hatten alle vor Otto, auch der Herr Direktor, wenigstens in diesen Momenten.
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 01:00

Dreckplatz

Zirkusplaetze gibt es in allen Formen. Es gibt gute Zirkusplaetze, wo die Leute einfach hinkommen, auch wenn der Zirkus keine Werbung machen wuerde. Dann wiederum gibt es Plaetze, wo die Leute nicht kommen, auch wenn man die ganze Stadt mit Plakaten zuklebt. Oder wie Otto zu pflegen sagte: "Da kommen die Leute nur, wenn man ihnen eine Pistole an den Kopf setzt". Wiederum auf andere Zirkusplaetze kommen zwar die Leute, aber sind so trocken, wie das Brot von letzter Woche. Wogegen an einem andern Platz die Leute hell begeistert sind beim blossen Anblick des Clowns. Es gibt Zirkusplaetze, die sind schoen und andere sind nichts weiter, als ein dreckiges Loch im Boden.

Genau an einem solchen Platz waren wir beim aufbauen, alle waren schlecht gelaunt, nicht nur war es muehsam zum aufbauen, der Platz war auch so klein, dass man sich kaum umdrehen konnte, ohne die Ellbogen anzustossen an den Ecken. Um die Sache noch schlimmer zu machen, die Stadt war irgendwo in weiter Ferne. Alle waren am schimpfen und da Otto auch fuer die Tourneeplanung und Staedtebuchung verantwortlich war, wusste jeder wer an dieser “Sauerei” schuldig war. Den ganzen Tag hoerte man: "Der Otto spinnt doch" oder "Was ist denn bloss in den Otto gefahren?". Nur einem schien dieser Platz gut zu gefallen: Corty Althoff.

Am Nachmittag kam Otto angereist, breitbeinig stand er an der Platzeinfahrt und sah sich die Sache skeptisch an. Seine liebe Frau stieg erst gar nicht aus dem Auto. Dann marschierte Otto zum Buero und erklaerte: "Hallo ihr Lieben, diesen Platz hat euer Onkel Otto nicht ausgemacht. Alle Beschwerden diesbezueglich sind an die Direktion zu richten". Dann setzte er sich an seine Schreibmaschine und verfasste zwei Briefe mit genau diesem Wortlaut, einen dieser Briefe hing er an das Noticebrett im Sattelgang und einen an seine Buerotuere.

Dann wandte er sich an die im Buero versammelten und sagte gelassen: "Einen angenehmen Tag wuensche ich, meine liebe Frau Gemalin und meine Wenigkeit werden fuer die Zeit im Hotel wohnen". An mir vorbeigehend meinte er: "Das ist ja hier wie beim Pimpernelli." (sein Ausdruck fuer Kleinzirkusse). Vier Tage spaeter kam Otto dann wieder zurueck von seinem "Urlaub" und Corty pfuschte nie wieder in Otto’s Arbeit .... Gottseidank!
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Othmar » 06.07.2007, 01:01

Der Pressemann

Es war ein sonnig warmer Fruehlingstag, als ich mit meinem Wohnwagen auf den neuen Zirkusplatz fuhr. Es fiel mir sofort auf, dass direkt neben dem Platz ein grosses Restaurant stand mit dem Namen “Schweizerhof”. “Oh Wunderbar” dachte ich mir, “endlich kann ich wieder einmal mein Lieblingsgericht Bratwurst mit Roesti und Apfelmus essen”.

Ich freute mich so sehr auf das Abendessen, aber wie immer, wenn man sich auf etwas freut, faengt die Zeit zu kriechen an, Minuten werden zu Stunden. Am Nachmittag kam Otto zu mir: “Othmar, haste jesehen det Schweizer Restaurant? Da gehn wir alle hin heute abend, auch der Alte wird kommen”. Nun fuehlte ich mich wie im Himmel, ich kann essen wie zu Hause und brauche nicht mal bezahlen dafuer, so liebe ich das Leben.

Endlich war es Abend und wir alle sassen im Restaurant, die Bratwurst mit Roesti schmeckte vorzueglich und weil jemand anders bezahlte, bestellte ich mir auch noch einen Schweizer Wurst und Kaese Salat, ich war im Himmel. Etwas spaeter setzte sich Otto zu mir und meinte: “Hoer mir mal gut zu, Junge, ik hab mit Kneiper gesprochen und er sagt mir, dass er dein Onkel ist”. “Aber Otto, das….” wollte ich ihm erwidern, doch Otto unterbrach mich. Mit einem Augenzwinkern und seinem umwerfenden Laecheln wiederholte er: “Der Mann is dein Onkel, vestehste?" "Nein, eigentlich verstehe ich gar nix mehr, Otto”. “Gott, bist du schwer von Begriff, Junge.” Dann erlaeuterte Otto: “Ik hab der Presse gesagt, dass du mit uns als Dompteur reist und hier in diesem Kaff deinen langvermissten Onkel per Zufall wiedergefunden hast. Familienzusammenfuehrung, verstehste? Dein Vater war Deutscher und vor dem grossen Krieg in die Schweiz gegangen, während der Rest seiner Familie hier in Deutschland blieb.” Man vergebe mir, aber ich war halt immer noch ein Gatscho und schaute nur dusselig in die Welt, aber ich war willig zu lernen und so fuhr Otto weiter fort: “Die Leute lieben solche Jeschichten und werden in den Zirkus kommen, um dich zu sehen, das bringt uns Lobby. Auch wollen die Leute den wird sehen, det bringt ihm Lobby und wir koennen Gratis fressen und saufen hier die ganze Woche.”

Wie Otto vorausgesagt hatte, der Zirkus war voll in jeder Vorstellung, aber auch das Restaurant war immer voll besetzt, nachdem die lokalen Zeitungen die ruehrselige Familienzusammenfuehrungsgeschichte abdruckten. Otto hatte es immer verstanden, eine gute Geschichte zu machen aus nichts.

Ein anderes Mal kam ich ins Buero mit einer blutueberstroemten Hand um Detlef zu sehen, er war unsere Erste-Hilfe Person. Otto meinte sehr besorgt: “Was ist passiert, hat ein Tiger dich erwischt?” “Nein Otto, ich hab mir die Hand an einem Nagel aufgerissen” antwortete ich ehrlich. “Detlef!” rief Otto, “Detlef wo bist du, schau mal nach Othmar”. Detlef kam angeschwaenzelt mit einem breiten Laecheln, er mochte mich und machte keine Geheimnisse daraus, alle wussten es. Damals war ich noch jung und huebsch heute, bin ich nur aelter. “Detlef” mahnte Otto, “Othmar will nur nach seiner Hand gesehen haben, det andere besorgt seine Freundin, mach dir keine falschen Hoffnungen”. Detlef kicherte und mir war es fast widerlich, aber was soll´s die Hand schmerzte und Detlef soll mir den Verband anlegen. Otto wachte darueber, “..nur fuer den Fall das Detlef deine missliche Lage ausnuetzen will” lachte Otto.
Am naechsten Tag las ich in der Zeitung, "dass der Dompteur vom Zirkus von einem Tiger angefallen wurde, aber das trotz der schweren Verletzungen die Vorstellungen weitegefuehrt werden bei dem mutigen, bla, bla, bla." Vor der Vorstellung rief mich Otto ins Buero und befahl Detlef, mir mal einen “anstaendigen” Verband zu verpassen. Am Ende war mein ganzer Arm von den Fingerspitzen bis zur Schulter dick eingebunden.
Wiederum waren es ausverkaufte Vorstellungen waehrend unseres ganzen Gastspiels und als dankeschoen reichte mir Corty ein Buendel Geldscheine. Ja, der konnte auch grosszuegig sein, wenn er wollte. Um ehrlich zu sein, ich war froh, als wir in eine andere Stadt zogen und ich den Verband loswerden konnte. Ich liebe es nicht, meine Verletzungen vorzuzeigen, aber fuer die Presse muss man manchmal Opfer bringen, fuer den liebenswerten Otto, der auch mein vaeterlicher Freund war, machte ich solche Opfer gerne, wer konnte schon seinem Charme und Freundlichkeit entgehen. Es kommt selten vor im Zirkus, dass jemand danke sagt fuer mehr Arbeit oder “Sondereinlagen” aber nicht so Otto, er wuerde ueber den ganzen Zirkusplatz laufen, nur um jemandem “Dankeschoen” zu sagen fuer einen Gefallen. Er war eben nicht nur einer der besten Pressechefs, sondern auch ein richtiger Gentleman.
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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Admin » 18.12.2012, 01:24

Hier ein Foto von Otto Mark (mit Hut) neben Laurens Thoen einst beim Circus Busch-Roland in Holland.
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Mit circensischen Grüßen

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Re: Otto Mark

Ungelesener Beitrag von Admin » 13.09.2013, 17:55

Otto Mark, so wie ihn in liebevoller Erinnerung habe. :D
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Mit circensischen Grüßen

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