Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Interessante Beiträge über Tierlehrer und Tierhaltung im Circus.
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Dricio
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Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 24.03.2012, 07:04

Von 1991 bis 1994 arbeitete ich als Elefantenpfleger beim Circus Giovanni Althoff und als ich vor kurzem mit meinen Kindern im Circus Universal Renz war und dort die Gelegenheit hatte nach sehr langer Zeit mal wieder Elefanten näher kommen zu können, habe ich im Netz nach Infos über Giovanni Althoff gesucht um heraus zu finden ob es den Circus noch gibt.

Leider habe ich fast nur Dinge über die damaligen Elefanten von Giovanni Althoff gefunden bei denen vieles aus dem Zusammenhang gerissen wird oder Tatsachen einfach verschwiegen werden, so wie es wohl den Tierschützern gerade in den Kram paßt ..... traurig.

Ich habe eine tolle Zeit als Elefantenpfleger bei Giovanni Althoff gehabt und ich möchte hier nach und nach, so wie es meine Zeit zu lässt, Geschichten und Anekdoten aus dieser Zeit, festhalten. Ich möchte nicht über Tierschutz diskutieren oder Giovanni Althoff verteidigen (weiß ja nicht was nach meiner Zeit dort geschah), sondern einfach nur Erlebnisse und Geschichten von damals festhalten.

Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere noch an mich (Andreas, auch Andi genannt), den zweiten Pfleger Heinz Schubert oder den folgenden Elefanten der damaligen Zeit:

Inder:
Belinda - Leitkuh der Inder
Pira - immer Eifersüchtig auf Diana, wen sie nicht zuerst dran kam gab es ärger
Diana - schüchterne und ganz liebe Elefantendame
Mary - ein Zappelphillip der immer in Bewegung war
Titzi - super inteligent und gefährlich, nur Giovanni und Heinz durften sich ihr nähern
Cindy - beste Freundin von Titzi, die Rheuma hatte und daher Ihre Rente genießen durfte
Maja - die kleinste und gemülichste der Inderinen mit der auch das Elefantenreiten gemacht wurde

Afrikaner:
Siam - Leitkuh der Afrikaner
Samba - hob einen immer gerne für einen Leckerbissen mit den Stoßzähnen hoch
Nadi - da sie nur einen Stoßzahn hatte wurde sie oft Einarmiger Bandit genannt aber super lieb
Lulu - jung und frech und immer mit Sikkim um die Leckerbissen gestritten
Sikkim - hatte sich mal Nachts während meiner Stallwache selbstständig gemacht und ist in einen Farbeimer getreten so das überall blaue Elefantenfußabdrücke waren

So wie es meine Zeit zuläßt werde ich meine Erlebnisse mit diesen Elefanten hier niederschreiben, um an sie und eine tolle Zeit zu erinnern. Ich bin der Meinung das haben sie einfach verdient.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 24.03.2012, 10:09

Das Mädchen im Rollstuhl

Als wir damals mit dem Circus in Ludwigshafen gastierten hatten die Elefanten eines der schönsten Freilaufgehege die möglich waren (sogar RTL wollte eigentlich kommen und die damals vorbildliche Elefantenhaltung dokumentieren, sagte aber ab weil das Team das kommen sollte bei einem wichtigen Ereignis gebraucht wurde), es war eine recht große Wiese neben dem Circusplatz die von Bäumen umgeben war und den Elefanten wurde dort auch ein Bad im Schlamm möglich gemacht.

Dort gab es ein Mädchen mit langen roten Haaren die mich täglich besuchen kam (mir sogar später hinter her reiste und in einem kleinen Zelt übernachtete ... leider weiß ich nicht mehr Ihren Namen), eines Tages brachte Sie eine Freundin aus Mannheim (Ariane, eine Name den ich nie vergeßen werde) mit die wegen einer Operation vorübergehend im Rollstuhl saß. Ich war gerade mit den Elefanten im besagten Freigehege und man kann sich vorstellen das es nicht gerade einfach war mit dem Rollstuhl über die Wiese dort hinzugelangen. Also half ich den beiden und schob sie so dicht es ging ans Freigehege heran. Sofort hatte Sie unzählige neugierige aber vorsichtige Rüssel im Schoß Ihres Rollstuhls.

Sie war so überglücklich über dieses Erlebnis, das Sie mich später zu sich nach Hause zu einer kleinen Party einlud wo ich auch den Zivi kennen lernte der sich um Sie kümmerte weil Sie im Rollststuhl saß. Später, als wir schon weiter gereist waren, erhielt ich von Ihr den schönsten Brief den ich je in meinem Leben erhalten habe in dem Sie sich für alles bedankte und mir Ihre Liebe gestand.

Leider habe ich Sie danach nie wieder gesehen, aber für mich persönlich war es eines der schönsten Erlebnisse mit den Elefanten das mir immer in Erinnerung bleiben wird und für Sie sicher auch. Man hat gemerkt das Elefanten (wie auch Hunde und andere Tiere) spüren wen mit einem Menschen etwas nicht stimmt und sie mit Ihren neugierigen Rüsseln vorsichtiger waren als sonst.


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Sorry für meine eventuellen Schreibfehler, bin halt kein Autor sondern möchte einfach nur meine Erlebniss aus dieser Zeit festhalten. Leider wird es einen solchen Circus, mit einer so großen Elefantenherde, wie es damals Giovanni Althoff war wohl nie wieder geben.

Vielleicht liest es jemand der sich daran erinnert, würde mich freuen von Menschen aus dieser Zeit zu hören.

Wer weiß, was aus dem Circus damals geworden wäre wen RTL damals doch gekommen wäre und die Elefantenhaltung dokumentiert hätte. Vielleicht wäre alles anders gekommen und hätte den Menschen gezeigt wie sehr Giovanni Alfhtoff seine "Kinder" (so nannte und behandelte er die Elefanten damals) liebte und alles für sie tat.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Admin » 24.03.2012, 10:18

Dricio hat geschrieben:
Vielleicht liest es jemand der sich daran erinnert, würde mich freuen von Menschen aus dieser Zeit zu hören.
Danke Andreas für diese Deine Beiträge! :D

Ich kann mich gut an diese Zeiten erinnern und manche andere hier im Forum auch. ;)
Unserem Mitglied Fax wird dazu sicher auch noch einiges einfallen.
Mit circensischen Grüßen

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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 24.03.2012, 10:27

Das Elefantenlied

Ich weiß nicht mehr in welcher Stadt es war (in meinem Leben war ich in hunderten) und wie er hieß, ich weiß nur das er Radiomoderator war und mal in einem Afrikaurlaub einem Elefantenbaby das Leben rettete in dem er den WWF eingeschaltet hatte und seit dem von Elefanten fasziniert war. Als wir in seiner Stadt gastierten kam er jeden Tag zu uns in den Elefantenstall und half uns wo es Ihm möglich war, ja er machte sogar mit uns Stallwache um noch mehr Zeit bei den Elefanten verbringen zu können.

Eines Tages lud er mich zu sich nach Haue ein und spielte mir in seinem kleinen Tonstudio auf seiner Gitarre ein Lied über Elefanten vor das er selbst geschrieben (inspiriert durch die Erlebnisse mit unseren Elefanten) hatte. Am Tag vor unserer Abreise schenkte er uns Elefantenpflegern eine Kasette (CDs gab es zu der Zeit noch nicht) auf der dieses Lied war, auf der Hülle war außen ein Bild von uns mit den Elefanten und innen war eine Widmung in der er mir und Heinz namentlich für die Zeit die er mit den Elefanten verbringen dürfte, dankte.


Leider gibt es diese Kasette nicht mehr aber eventuell kennt es jemand oder kann sich daran erinnern?

Es ging um kleine Elefanten die durch den Wald trampeln oder so ähnlich.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 25.03.2012, 14:33

Karl Lagerfeld

Evelyn Althoff war damals nur selten in der Manege zu sehen, aber trotzdem hatte sie unendlich viele tolle Kleider für die unterschiedlichsten Auftritte in der Manege. Sie hatte einen kompletten Frontwagen für sich alleine, der Ihre Garderobe war und voller Kleider hing.

Eines Tages fuhr vormittags ein Porsche vor und ein recht dünner Man mit langem weißem Zopf stieg (damals war er noch nicht so bekannt wie heute und ich wußte absolut nicht wer er war) mit einem neuen glitzernden Köstum aus dem Porsche.

Er brachte es persönlich zu Evelyn Althoff und nach einer weile kam er alleine zu uns in den Elefantenstall und stellte mir allerlei Fragen zu den Elefanten und wir unterhielten uns ein weile lang als wäre er nur ein ganz normaler Besucher der sich die Tiere anschaut.


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Erst heute, wo ich weiß wer er war, ist es für mich eine besondere Erinnerung daran wieviele Menschen ich damals kennen gelernt hatte nur weil ich ein Elefantenpfleger war. Heute bin ich so normal wie jeder andere auch und und Karl Lagerfeld hätte niemals einen Grund sich mit mir zu unterhalten.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 25.03.2012, 15:40

Der tragische Tod von Mary

Da der Tod der Elefantdame Mary auf den Tierschutzseiten überall einfach nur als einer der Elefanten aufgelistet wird die der Circus Giovanni Althoff in einem bestimmten Zeitraum verloren hat, möchte ich an dieser Stelle berichten was damals wirklich geschehen ist:


Es war ein ganz normaler Circustag an dem die Elefanten Belinda, Pira, Diana, Mary und Maja wie immer vormittags im Freigehege waren, bis sie wieder reingeholt wurden damit die nächste Gruppe raus konnte (es vertrugen sich leider nicht alle untereinander). Auf dem Weg vom Freigehege ins Stallzelt bemerkten wir das ein Fußnagel von Mary eingerißen war und vom Fuß abstand.

Giovanni Althoff dreht fast durch für Sorge und Wut wie das passieren konnte ohne das es jemand bemerkt hatte und es wurde noch am selben Tag ein Spezialist für Elefanten aus einem Zoo eingeflogen (gab damals nur 2, einen aus Basel und einen aus Frankfurt so viel ich noch weiß). Dieser wollte den Fußnagel ganz entfernen und an der Stelle eine art Paste die hart werden und dadurch den Fuß künftig schützen sollte, auftragen. Es hörte sich wie eine ganz harmlose Sache an, nur das Mary dazu betäubt werden sollte damit sie keine Schmerzen beim entfernen des Fußnagels hat und keinen verletzten konnte.

Sie wurde betäubt und einige Minuten später der Fußnagel entfernt und die Paste aufgetragen, alles schien normal zu sein und sie sollte in ein paar Minuten wieder aus der Betäubung aufwachen ....

.... dies geschah aber nicht und der Tierarzt stellte kurz darauf Ihren Tod fest. Giovanni Alfhoff ist vor Schmerz durchgedreht und gab dem Pfleger Heinz der mit den Elefanten im Freigehege war als es passiert die Schuld, er schrie Ihn an und wollte auf Ihn los gehen. Was dann geschah möchte ich hier nicht beschreiben aber wen man weiß wie sehr Giovanni seine Elefanten geliebt hatte, kann man es sich vorstellen.

Als sich alles wieder beruhigt hatte, wurde die Leiche von Mary mit schwerem Gerät auf einen Tieflader verladen, mit Planen zugedeckt und zu einer Universität transportiert wo sie untersucht werden sollte. Dort fand man dann heraus das sie einen Herzfehler hatte und daher die Betäubung für sie zu viel gewesen war.

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Für mich eine sehr traurige Geschichte, die leider auf Tierschutzseiten einfach verschwiegen wird um den Circus in ein schlechtes Licht zu rücken. Dort ist es einfach nur ein Elefant von vielen der angeblich wegen schlechter Haltung gestorben ist.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Admin » 25.03.2012, 20:13

Dricio hat geschrieben: Für mich eine sehr traurige Geschichte, die leider auf Tierschutzseiten einfach verschwiegen wird um den Circus in ein schlechtes Licht zu rücken. Dort ist es einfach nur ein Elefant von vielen der angeblich wegen schlechter Haltung gestorben ist.
Das hat leider Methode, wobei es meist die Tierrechtsgruppen sind, die für verdrehte Darstellungen sorgen.
So wie gerade aktuell beim Tod der Elefantin Maya von Daniel Renz. Obwohl auch hier Elefantenspezialisten das Tier behandelten und das örtliche Veterinäramt alles ordentlich dokumentierte und die wahre Todesursache durch Obduktion bekannt ist. Aber das interessiert fanatische Tierrrechtsgruppen nicht, da sie politisch ideologische Ziele verfolgen und die Wahrheit dabei nur stört. :(

Dricio hat geschrieben: Erst heute, wo ich weiß wer er war, ist es für mich eine besondere Erinnerung daran wieviele Menschen ich damals kennen gelernt hatte nur weil ich ein Elefantenpfleger war. Heute bin ich so normal wie jeder andere auch und und Karl Lagerfeld hätte niemals einen Grund sich mit mir zu unterhalten.
Ja, so ging es mir auch. Lernte in meiner Circuszeit viele Prominente kennen.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 29.03.2012, 14:06

Das hat leider Methode, wobei es meist die Tierrechtsgruppen sind, die für verdrehte Darstellungen sorgen.
So wie gerade aktuell beim Tod der Elefantin Maya von Daniel Renz. Obwohl auch hier Elefantenspezialisten das Tier behandelten und das örtliche Veterinäramt alles ordentlich dokumentierte und die wahre Todesursache durch Obduktion bekannt ist. Aber das interessiert fanatische Tierrrechtsgruppen nicht, da sie politisch ideologische Ziele verfolgen und die Wahrheit dabei nur stört. :(
Giovanni Althoff hat damals die beiden Inderinen Titzi und Cindy abgegeben weil Titzi nicht mehr für den Circus tragbar war (zu gefährlich), das wird auch nirgends erwähnt sondern einfach nur zur Anzahl der Elefanten die der Circus verloren haben soll, dazu gezählt.
Ja, so ging es mir auch. Lernte in meiner Circuszeit viele Prominente kennen.
Nicht alle Promis die ich im laufe der Jahre kennen gelernt hatte, waren so wie Karl Lagerfeld.

Bei einer Tigertaufe waren damals die beiden Hauptdarsteller der Serie "Ein Fall für zwei" die Taufpaten, die sind ohne sich den Circus anzusehen oder ein Wort mit jemanden von uns zu wechseln zur Zermonie stolziert und danach sofort wieder wortlos abgehauen.


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Ich habe noch vieles im Kopf was ich hier gerne an Geschichten und Abenteuern von damals schreiben möchte, aber leider habe ich nicht immer so vielt Zeit dazu wie ich es gerne hätte :cry:

Sobald ich dazu Zeit finde, folgt mehr ;)
Michael B.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Michael B. » 29.03.2012, 18:22

Hallo Andreas,
schöne Geschichten,die Du zu erzählen hast.Bitte ruhig mehr davon.
Ich habe übrigens auch noch einige Filme vom leider verstorbenen Circusfreund Karl-Heinz Carstens,der ja viele Aufnahmen bei Giovanni Althoff machte,auf denen viele bekannte Althoff Gesichter zu sehen sind u.a. auch die Elefanten und natürlich Heinzi.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 04.05.2012, 18:37

Leider habe ich in der letzten Zeit mehr zu tun als mir lieb ist und ich komme kaum dazu hier rein zu schauen. :cry:

Aber sobald ich wieder mehr Zeit übrig habe, werde ich hier weitere Erlebnise aus dieser Zeit posten.

Fotos und auch Zeitungsausschnitte (meist vom Fußweg der Elefeanten von der Verladerampe bis zum Platz) hatte ich damals alles gesammelt was ich bekommen konnte, meistens durch Zirkusfreunde die in den Sommerferien eine weile mit uns reisten. Im laufe der Jahre ist mir aber alles abhanden gekommen oder unbrauchbar geworden (bin halt viele Jahre noch mit Schaustellern quer durch Deutschland gereist und man konnte noch nichts auf CDs brennen um es zu sichern), sonst würde ich auch Fotos oder Zeitungsauschnitte von damals mit posten.

Wen jemand noch Fotos oder Zeitungsausschnitte von damals hat, wäre ich sehr dankbar dafür ;)
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 13.05.2012, 18:46

Titzi & Cindy:

Da auch diese beiden indischen Elefantendamen auf den Tierschutzseiten einfach als verlorene Elefanten des Circus Giovanni Althoff hinzu gezählt werden, möchte ich an dieser Stelle erzählen was wirklich auf Ihnen geworden ist.


Titzi war nicht nur die schönste und kräftigste sondern auch die inteligenteste aller Elefantendamen des Circus Giovanni Althoff und gerade das machte sie so gefährlich. Sie war der Liebling von Giovanni und dem Pfleger Heinz und auch nur die beiden konnten sich ihr ungefährdet nähern, jeden anderen hätte sie nicht akzeptiert und ich selbst konnte mich ihr nur näher wenn Heinz oder Giovanni sich in ihrer Sichtweite aufhielten.

Einmal tränkte ich die Elefanten (man zog eine große Tonne, in der ein Wasserschlauch eingehängt war, von Elefant zu Elefant), als ich bei Titzi ankam und die Wassertonne vor ihr hingestellt hatte, ging ich ein paar Schritte zurück. Dabei merkte ich nicht das Heinz aus dem Stall ging aber sie bemerkte es sofort ... warf die Wassertonne um, stellte einen Fuß darauf und schaute mich abwartend und provozierand an um zu sehen was ich nun wohl tun würde und in ihre Reichweite kommen würde ..... das tat ich natürlich nicht sondern mußte warten bis Heinz wieder zurück kam. Bis dahin hatte sie dann den ganzen Schlauch zerfezt und die Tonne zertrampelt.


Cindy hingegen war eine alte Dame die Rheuma hatte und nicht mehr gut laufen konnte, sie war sehr ruhig aber die beste Freundin von Titzi ... ja Titzi beschützte sie auch wenn es sein mußte. Beide konnte nicht in der Manage auftreten ... Titzi weil sie zu gefährlich war .... und Cindy wegen ihres Alters. Daher waren sie so gesehen wertlos für den Circus aber das allein wäre nie ein Grund für Giovanni gewesen die Elefanten die er so sehr liebte (besonders Titzi) abzugeben ....


.... bis eines Tages. Wie immer gingen wir mit den Elefanten zu Fuß von der Verladerampe bis zum Platz und wie immer führte Heinz die Leitkuh Belinda, ich Maja und Giovanni selbst Titzi. Plötzlich hörte ich Geschrei vor mir und konnte nicht sehen was los war oder hinrennen weil ich mich um Maja und andere Elefanten kümmern mußte. Giovanni lag am Boden und es wurde ein Krankenwagen gerufen, es stellte sich heraus das Titzi ihn aus unerklärlichen Gründen gegen einen Baum gedrückt hatte und er ein Loch in der Lunge hatte.

Da nun Giovanni nicht mehr Titzi trauen konnte war sie praktisch untragbar für den Circus geworden und es wurde beschloßen sie weg zu geben und damit sie nicht vor Einsamkeit noch gefährlicher werden würde wurde ihre beste Freundin Cindy mit abgegeben. So viel ich weiß kamen sie zu Josef Gärtner und später zu Joy Gärtner.
Daniel H.
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Daniel H. » 13.05.2012, 20:30

Vielen Dank für Deine interessanten Einblicke.

Gruß,
Daniel
~ Im Nachbarforum bin ich als "Gekko" unterwegs ~
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 14.05.2012, 10:31

Vielen Dank für Deine interessanten Einblicke.

Gruß,
Daniel
Nichts zu danken, für mich war es ein tolle Zeit die ich heute nicht mehr missen möchte. Und das es diese Zeit und auch den Circus Giovanni Althoff nie wieder so geben wie es damals war, möchte ich einfach gerne an diese Zeit erinnern wie es wirklich war.


Winterquatiere ....

..... waren eigentlich für uns Tierpfleger immer die schönste Zeit.

Die Artisten, polnischen LKW-Fahrer und ganzen Marokaner waren über Winter nach Hause gefahren und wir deutschen und wenigen Tierpfleger waren endlich mal unter uns und der Kontakt zu Giovanni und anderen die "was zu sagen hatten" war viel lockerer und man konnte auch hin und wieder mit Giovanni lachen wen er aus alten "goldenen" Zeiten erzählte.

Da auch die polnische Köchin im Urlaub war, gab es auch für uns wenige verbliebene weit besseres Essen im Küchenwagen. Mal kochte Manfred für uns, er war eigentlich der Elektriker und Raubtierpfleger aber in seinem "alten Leben" Schifskoch ... und mal kochte die Engländerin Pat (Frau von Fritz dem kolerischen Zeltmeister) für uns richtig typisches englisches Essen mit echt leckeren Soßen.

Täglich kammen die Kinder der Umgebung zu uns und halfen uns Tierpfleger wo sie konnten und durften, so brauchten wir uns kaum ums füttern, tränken, ausmisten und putzen der Pferde und Ponys kümmern (waren immerhin 18 Holländische Friesen und 6 Ponys). Die Kinder (besonder die Mädchen) waren glücklich den ganzen Tag mit Pferden zusammen zu sein und die Eltern waren froh mal ruhe vor ihren Kindern zu haben. So kamm es oft vor das Abends der eine oder andere Vater seine Kinder abholte und einen Kasten Bier mit brachte den wir gemeinsam leerten oder am Sonntag die Mütter mit einem selbst gebackenen Kuchen und Kaffe vorbei kammen um sich bei uns zu bedanken.


In der Zeit in der ich im Circus Giovanni Althoff war, hatten wir im ersten Jahr ein mehrere Hallen eines leer stehenden Fabrikgeländes im Schwarzwald in der nähe von Waldkirch angemietet und in den darauf folgenden Jahren leer stehende Hallen eines anderen Geländes in der nähe eine kleines Dorfes dessen Namen ich leider vergessen habe. Ich kann mich nur noch daran erinnern das es dort eine kleine Kneipe gab in der einen kurzes Hochseil gesapnnt war auf dem ein Motorrad stand, das im Sommer im Biergarten gespannt wurde und der wird mit dem Motorrad dann quer durch den Biergarten übers Hochseil fuhr und wir daher immer sehr Willkommen in der Kneipe waren.

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So, schluß für heute mir Geschichten erzählen, muß schließlich Geld verdienen ;)
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 26.06.2012, 10:12

Mit Elefanten erlebt man auch viele lustige Dinge:

Schlammschlacht:
Auf einem Platz stand das Stallzelt der Elefanten auf einer leichten Schräge, so das wen es regnete das Wasser in den Stall lief und sich direkt vor den Elefanten zu einer riesigen Pfütze sammelte. Einen Tag regnete es so stark, das wir trotz Gräben die wir um das ganze Stallzelt gezogen hatten und Pumpen, keine Chnace hatten die Pfütze leer zu bekommen.

Die Elefanten hatten einen riesigen Spaß und machten mit Ihren Vorderfüßen und Rüsseln aus der Pfütze ein Schlammloch und spritzen voller Freude mit dem Schlamm um sich so das am Ende wir Pfleger und das ganze Stallzelt von oben bis unten mit Schlamm bedeckt waren. Man kann sich sicher gut vorstellen wie das ausgesehen hat und das wir um nächsten Tag nur mit putzen beschäftigt waren.


Giovannis Lautsprecher:
Im Winterquartier im Schwarzwald (einem leer stehenden Fabrikgelände nähe Waldkirch) kamm Giovanni Althoff auf die gloreiche Idee auf einer Fensterbank direkt hinter den Elefanten 2 Lautsprecher aufzustellen, so das er von seinem Salonwagen nur ins Mikro sprechen mußte wen er etwas von uns wollte statt uns rufen zu müßen.

Das machte die Elefanten so neugierig das die schlaue Titzi sich wenige Minuten später am Vorderfuß sich selbst befreite in dem sie mit ihrem Rüssel den Schegel aufschraubte (sie war die einzigste die dazu in der Lage war!) und sich die Lautsprecher schnappte um sie in Einzelteile zu zerlegen. Da ich alleine war und nur Heinz und Giovanni sich Titze gefahrlos nähern konnten, konnte ich nur zu schauen und mir ein Grinsen nicht verkneifen. Nun mußte Giovanni doch wieder nach uns rufen.


Eins um die Ohren:
Belinda die Leitkuh der indischen Elefanten, war zwar die größte und kräftigste von allen aber eine sehr liebe und verspielte Elefantendame. Sie ließ sich gerne auf der Zunge kraulen und wen sie es nicht mehr wollte schob sie einen mit dem Rüssel neben sich als wollte sie sagen man solle da stehen bleiben bis wieder gekrault werden möchte.

Aber am liebsten haute sie einem den Schwanz um die Ohren ... wen man hinter ihr war schielte sie immer mit einem Auge nach hinten und versuchte ihren Schwanz in Position zu bringen um dann mit ihrem Schwanz einem eins links und rechts um die Ohren zu hauen und quickte laut vor Freude wen sie einen getroffen hatte.


Diebische Afrikaner:
Wie sicher die meisten wissen haben afrikanische Elefanten 2 Lippen am Rüssel statt wie die indischen nur eine und können damit sogar einen einzelnen Grashalm mit aufheben weil sie diese Lippen wie 2 Finger benutzen können. Das machten sich die Afrikaner immer zu nutze wen sie im Finale der Vorstellung eine Runde zwischen der Loge und den Sperrsitzen machten. Obwohl die Zuschauer darauf hingewiesen wurde Tüten und Handtaschen nicht offen vor sich liegen zu lassen, fanden die Afrikaner (besonders Samba) immer wieder Beute die sie mit in das Stallzelt brachten. Oft kam es vor das dann Zuschauer sich ihre zerkaute Handtasche oder Tüten bei uns im Stallzelt abholen kammen, aber ärger gab es deswegen nie sonder eher Gelächter.

Als Pfleger durfte man auch nicht in den Hosen oder Jackentaschen habe, die Afrikaner klauten sogar aus den Hosentaschen was sie finden konnten in der Hoffnung das sie Zuckerstückchen darin fanden. Am Anfang mußte ich oft ein durchweichtes Päckchen Tabak wieder trockenen.

Aß man etwas vor den Afrikanern und war in der Reichtweite von Sambas Rüssel ohne ihr Aufmerksamkeit zu schenken wen sie bettelte (können Elefanten 100mal besser als ein Hund!), packte sie einem mit dem Rüssel an der Schulter und dreht einen um dann mit mehr Aufmerksamkeit nach dem Leckerbissen zu betteln.


Fortsetzung folgt ......
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Dricio » 02.07.2012, 09:42

Alberto Althoff und seine Exoten:

In der ersten Saison in der ich bei Circus Giovanni Althoff war, war die Tierschau fast ein rollender Zoo der immer viele Besucher auch außerhalb der Vorstellungen anlockte. Grund war der Neffe, Alberto Althoff, von Giovanni Althoff (14 Tiger, 18 holländische Friesen, 4 Ponys und 12 Elefanten) der damals mit seinen eigenen Tieren dabei war. Darunter zählten 12 Hunde (alles Boxer die in einer Fußballnummer auftraten), 1 Kamel, 2 Lamas, 2 Yaks, 1 Esel, 1 Giraffe, 1 Nashorn und 1 Bison wobei das Nashorn und die Giraffe einen Wagen mit Freilauf hatten in dem sie jederzeit selbständig rein und raus gehen konnten.


Außer der sehr scheuen Giraffe traten alle Tiere auf und es entstanden durch sehr unterschiedlichen Tiere oft komische und auch sehr gefährliche Situationen:

- die Hunde waren eigentlich friedlich und auch wie es nun mal Boxer sind sehr verspielt. Aber sobald sie in ihrem Zwinger waren, der im Pferdestall stand, durfte man nicht den Finger zwischen dem Gitter stecken. Dann versuchten sie sich gegenseitig zu beißen und darum zu kämpfen wer als erster in den Finger beißen darf. Außerhalb des Zwingers aber konnte man mit ihnen spielen und toben wie mit jedem anderen Hund.

- der Bison war der gefährlichste von allen Exoten. Egal ob bei ihm ausgemistet werden mußte oder ob er für den Transport zum nächsten Platz verladen werden sollte, es ging immer nur in dem wir die Zäune rundherum um ihn hochhoben und ihn so praktisch in eine Richtung drängten. Dabei versuchte er uns immer durch den Zaun mit seinen Hörnern zu erwischen. Wir Pfleger waren immer froh wenn wir das hinter uns hatten.

- Der Bison und das Nashorn liefen ähnlich wie Raubtiere immer durch einen Gang von starken Zäunen vom Stall in die Manage, wobei Alberto ebenfalls durch diesen Gang hiner den Tieren her in die Manege lief. Einmal kam er wieder schnell zurück gerannt und der Bison hinter ihm her und er konnte sich nur durch einen beherzten Sprung über den Zaun retten ... für ihn gefährlich aber es sah verdammt witzig aus ;)

- Das Nashorn war im Gegensatz zum Bison ungefährlich aber sehr stur. Die Tierpfleger von Alberto Alhoff warteten immer ab bis das Nashorn freiwillig von seinem Anhänger ins Gehege ging um dann den Wagen in Ruhe ausmisten zu können. Einmal stellte sich das Nashorn einfach auf die Rampe des Anhängers und blieb dort stur stehen so das der Pfleger nicht mehr raus konnte. Egal was er versuchte, er mußte dort eine ganze Weile verbringen bis das Nashorn keine Lust mehr hatte dort stehen zu bleiben. Wir anderen Tierpflger haben uns darüber natürlich köstlich amüsiert.

- Außer dem Nashorn und den Bison mußte alle Tiere nach ihrem Auftritt in der Manege hinter dem Vorhang von uns Tierpflegern wieder eingefangen werden damit sie zurück in den Stall geführt werden konnten. Die Yaks hatten kleine aber sehr spitze Hörner und bockten meist beim heraus laufen und auch das Kamel trat mal gerne um sich wen es heraus gerannt kam. Daher kam es oft vor das wir es nicht schafften die Tiere direkt hinter dem Vorhang festzuhalten und es folgten oft sehr komisch aussehenden Kämpfe zwischen dem Kamel und einen der beiden Yaks. Sind zwar immer glücklich für die Tiere und uns Pfleger ausgegangen aber wir waren jedesmal froh wen die Tiere alle wieder an ihrem Platz im Stall waren.

- Auch auf den Esel mußte man dabei sehr aufpassen, er nutze jede Chance zu den damals 18 holländischen Friesen zu rennen und versuchte dann einen von ihnen in den Bauch zu beißen ... warum auch immer, irgendwie konnte er die Pferde einfach nicht leiden. Wurde er aber etwas später als gewohnt aus dem Stall geholt um in der Manege aufzutreten oder für den Transport verladen zu werden, schrie er immer wie verückt und sehr laut, bis er endlich geholt wurde.



Leider verließ Alberto Althoff am Ende der Saison mit seinen Tieren den Circus um einen eigenen kleinen Circus zu gründen, den es ja noch bis heute gibt. Danach gab es so einige die seinen Platz als Stallmeister ersetzen wollten aber nicht wirklich konnten.

Die Exoten wurden in der folgenden Saison durch Fredy Gafner und seinen Eisbären ersetzt, wodurch die Tierschau immer noch gut besucht wurde. Besonders im Sommer wenn der Boden der Eisbärenwagen geöffnet und mit Wasser gefüllt wurde.


Fortsetzung folgt ......
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Re: Meine Erlebnisse als Elefantenpfleger

Ungelesener Beitrag von Circusworld » 30.07.2017, 23:06

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Afrikanische Elefanten beim Circus Giovanni Althoff.
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