Die Vergangenheit ...

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Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Circusworld » 03.07.2007, 20:48

... verklärt sich oft in der Erinnerung und wir denken, sie war besser als die Gegenwart.
Doch zu allen Zeiten war das Circusleben schön und hart zugleich. Aber es war anders, immer seiner Zeit angepasst. Denn das ist die Fähigkeit des Circus sich immer den Zeitströmungen anzupassen, dem was das Volk sehen will.
Wer diese Verbindung zum Volk und den Zeitströmungen verloren hatte, ging als Circusunternehmen unter und wurde wieder Artist oder Tierlehrer. Das geschah immer wieder und deswegen ding der Circus als Ganzes nicht unter. Er veränderte sich mit der Zeit!

Hier in diesem Thread wollen wir die Vergangenheit wieder aufleben lassen, damit die Jungen nicht vergessen, was die Alten gelebt haben und was wir selber schon erlebt haben. ;)

Ihr seid herzlich eingeladen eure Lebenserinnerungen hier miteinzubringen oder historisches, was ihr hier im Netz findet oder in euren Schubladen schlummert. ;)
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Wolfgang A. » 03.10.2008, 08:21

Ich weiß nicht, wie es heute ist, wenn es ins Winterquartier geht. damals bei Willy Hagenbeck war es so, das von den zwanzig Mann der Stammbesatzung fünfzehn dabei bleiben konnten. Die restlichen fünf Mann konnten sich aussuchen, ob sie den Circus verlassen oder mit ins Quartier fahren um sich dann dort auf dem Arbeitsamt melden und zu Saisonbeginn gleich wieder dabei sind. '73/'74 war es so, das halt drei mitfuhren. Sie durften dann kostenlos in ihrem Abteil weiter wohnen. Lediglich fürs Essen mussten sie zehn DM in der Woche abdrücken. Auch der Lohn änderte sich im Winterquartier. Wir hatten in der Mannschaft drei Staffelungen :
Vorarbeiter - 400,00 DM wöchentlich
Gradinführer - 110,00 DM wöchentlich
Zeltarbeiter - 90,00 DM wöchentlich
Im Quartier gab es dann den Einheitslohn von 60,00 DM wöchentlich. Aber man kam auch damit aus.
Gruß Wolfgang A.

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Hermann N. » 19.11.2008, 20:46

Hallo
Also als ich 1966 in Bonn beim Circus Krone als Tierpfleger anfing,gab es damals alle 10 Tage 70,00DM Essen und Wohnen war frei.Das Essen war damals garnicht so schlecht bei Krone,aber die Unterkunft war miserabel.Hat sich aber heute zum besten bei Krone geändert.Auc gab es damals keinen Duschwagen,naja und von den Toiletten will ich garnicht reden.Die Wohnmöglichkeiten wurden aber Jahr für Jahr besser.Früher gabs es den Strohsack und ein paar Wolldecken,irgendwann kamen richtige Matratzen und Bettwäsche. Die letzten Jahre hatte ich bei Krone ein Top-Unterkunft,ich hatte das Abteil im Giraffenwagen.Dafür hatte ich aber auch eine menge Neider.
Ich möchte keinen Tag bei Krone missen,es war eine tolle Zeit und ich habe viel erlebt.
Gruß
Hermann
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Wolfgang A. » 19.11.2008, 22:36

Moin Hermann,
da hatte ich es etwas besser als Du. Ich hatte einen halben Wagen für mich. Das Bett war zwar selbst gezimmert, aber es hatte eine Schaumstoff-Matratze. Einen Duschwagen hatten wir auch nicht. Wir haben immer eine Bockleiter genommen, einen Wasserschlauch, darauf die Tülle einer Gießkanne gedrückt und über die Leiter gehängt. Hatten so zwar nur
kaltes Wasser, aber immer noch besser als keine Dusche. Für das andere hatten wir ja unseren Toilettenwagen.
Im Winterquartier haben wir extra ein Gebäude gehabt, in dem es mehrere Duschen und WC's gab. Selbst einen Waschraum mit zwei Waschmaschinen.
Was das Essen anbelangt, das war immer Spitze.
Gruß Wolfgang A.

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 19.11.2008, 23:24

1971 bei Barum-Safari hatte ich ein Einzelabteil in der Mitte. Links von mir wohnte Toni von der Gathen, rechts von mir Volker Reinke. Die Ausstattung war spartanisch, was mir aber damals nichts ausmachte. Mit 20/21 Jahren ist man noch genügsam. ;)
Die Wände waren dünn und man hörte viel von den Nachbarn, auch wenn diese "Damenbesuch" :mrgreen: hatten. Meist war man so müde, dass man eh bald einschlief. :)
Nachts auf einer Lore wurde man herrlich in den Schlaf geschaukelt und wenn es über die Weichen ging, hörte man noch im Schlaf das Taramtata taramta der Räder beim Gleiswechsel. Eine "Musik" welche ich immer noch in mir höre. :D
Mit circensischen Grüßen

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Wolfgang A. » 20.11.2008, 05:49

Die spartane Einrichtung hat niemanden gestört. ;) Es war doch alles da. Bett, Tisch Stühle, Schrank, Radio und ganz wichtig ein Ofen. Ich denke auch mal, das alle diejenigen, die das in jungen Jahren mit gemacht haben, voller Idealismus steckten, denn wer den nicht hatte, hielt es auch nicht lange durch.
Gruß Wolfgang A.

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Hermann N. » 20.11.2008, 09:51

Hallo Wolfgang
Ja ch glaube wirklich das Du es damals besser hattest.Ich denke aber auch das es bekannt war das die Unterkünfte bei Krone nicht so toll waren.Auch im Winterquatier sah es nicht besser aus.Habe aber gehört das es sich auch dort heute zum Vorteil gebessert hat.
Man war ja selber Schuld und ich wil mich auch nicht beklagen.Das kann sich heute wohl kaum jemand vorstellen wie es früher war.Heute ist doch sowieso alles leichter,wenn man bedenkt wie schwer das Material war von den Stallungen usw.
Trotzdem war es eine schöne Zeit,würde alles nochmal machen wenn es möglich wäre.
Gruß
Hermann
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Wolfgang A. » 20.11.2008, 11:04

Kann ich gut nachvollziehen Hermann. Mir ergeht es auch nicht anders. Sicher war das Material schwerer und es wurde auch noch viel mehr mit der Hand gearbeitet. Jedoch wenn jeder wusste, wie und was er anzupacken hat, war es nur halb so schwer und gekniffen hat keiner. ;)
Gruß Wolfgang A.

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Hermann N. » 20.11.2008, 14:31

Hallo Wolfgang
Genau so ist es.
Es gibt ja eigentlich soviel zu erzählen,aber Interessiert es auch jemand?
Gruß
Hermann
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Reinhard » 20.11.2008, 15:10

Also für mich als Außenstehender finde ich die Diskusion sehr interessant.

Gruß
Reinhard :)
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Hermann N. » 21.11.2008, 12:52

Heute möchte ich mal über drei Ereignisse mit den Tieren beim Circus erzählen.
1. Berolina die Elefantenkuh beim Circus Barum(Kreiser)Barum war mein erster Circus in dem ich gearbeitet habe.Im Winterquatier in Einbeck,waren wir nur noch 3 Leute die für die Tiere zuständig waren.Man hatte mich immer davor gewarnt nicht alleine zu den Elefanten zu gehen.Aber ich wusste es besser und ging doch mal alleine um die Elefanten zu versorgen.Berolina war ein sehr agresiver Elefant und sie bekam mich mit dem R+üssel zu fassen und attaktierte mich.Im letzten moment kam Herr Jostmann in den Stall und half mir.Gott sei dank.Ich hatte viel Glück gehabt und bin nie wieder in den Elefantenstall gegangen.
2.Circus Krone im Winterquatier,wir sollten Werbung für Die Camelzigaretten machen,beim anlegen des Kopfgeschirrs bei einem Kamel hatte ich einen moment nicht aufgepasst.Das Kamel hatte sich in meinen Fuss festgebissen.Zum Glück war der Stallmeister und Maurice Houcke in der nähe,die hörten mein schreien und befreiten mich mit einer Eisenstange und Stöcken von dem Kamel.Hatte wieder einmal viel Glück,mein Fuß war noch dran,aber die Narben hab ich heute noch.
Krone auf Tournee:Wie Ihr ja wisst wurden früher die Tiere vom Bahnhof zum Circusplatz geführt,ich glaube es war in Göppingen,ich hatte die Aufgabe das Watussirind Fredy zum Circusplatz zu bringen,mit noch einen Kollegen.
Ich ging vorne und mein Kollege hinten.Wir hatten das Rind an zwei Longen.
Irgendwann fing er plötzlich anzu spinnen und war nicht mehr zu halten.Es kam zu soweit das er mich auf die Hörner bekam und ein paar mal rauf und runter geschleudert hatten.Zum Glück war mein Kollege da,er befreite mich.
Ich schaffte es auch noch Ihm zum Circusplatz zu bringen,dann bin ich umgefallen und ich wurde ins Krankenhaus gebracht.
Habe heute noch Probleme mit dem Rücken,also ein ewiges andenken an den Circus.
Gruß
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 21.11.2008, 13:06

Hermann N. hat geschrieben: 1. Berolina die Elefantenkuh beim Circus Barum(Kreiser)Barum war mein erster Circus in dem ich gearbeitet habe.Im Winterquatier in Einbeck,waren wir nur noch 3 Leute die für die Tiere zuständig waren.Man hatte mich immer davor gewarnt nicht alleine zu den Elefanten zu gehen.Aber ich wusste es besser und ging doch mal alleine um die Elefanten zu versorgen.Berolina war ein sehr agresiver Elefant und sie bekam mich mit dem R+üssel zu fassen und attaktierte mich.Im letzten moment kam Herr Jostmann in den Stall und half mir.Gott sei dank.Ich hatte viel Glück gehabt und bin nie wieder in den Elefantenstall gegangen.
Das erinnert mich an 1966, als ich beim Circus Willy Hagenbeck eifrig die Rücken der beiden grossen indischen Elefantendamen schrubbte. Als ich zwischen den beiden Elefanten stand, drückten diese ihre Leiber aneinander und hätten mich dazwischen fast zerquetscht, wäre nicht ein Pfleger dazwischen gegangen. Von da an war ich noch vorsichtiger bei diesen grauen Riesen.
Ein Jahr zuvor hatte mich der damals noch blutjunge Elefantenbulle Shenka im Übermut aus seinem Wagen gedrückt. Ich flog hinterrücks heraus und zum Glück war da ein weicher Heuhaufen.

Die Elefanten von Margarethe Kreiser-Barum erlebte ich noch 1967, im letzten Jahr als einer von ihren Lieblingselefanten verstarb.
Hermann N. hat geschrieben:Wie Ihr ja wisst wurden früher die Tiere vom Bahnhof zum Circusplatz geführt,ich glaube es war in Göppingen,ich hatte die Aufgabe das Watussirind Fredy zum Circusplatz zu bringen,mit noch einen Kollegen.
Ich ging vorne und mein Kollege hinten.Wir hatten das Rind an zwei Longen.
Irgendwann fing er plötzlich anzu spinnen und war nicht mehr zu halten.Es kam zu soweit das er mich auf die Hörner bekam und ein paar mal rauf und runter geschleudert hatten.Zum Glück war mein Kollege da,er befreite mich.
Ohh ja, solches erlebte ich auch bei Carl Althoff und diesen Gehörnten ging ich lieber aus dem Weg. Führte meistens den Esel Pico vom Bahnhof zum Platz. ;)
Ein besonders schwierige Aufgabe war es das "Feuerpferd Blitz" zu führen. Wenn man bei dem am Kopf stand, trat er einen mit den Hinterbeinen, stand man Schweif versuchte er einen zu beissen. Bei dem Pferd musste man höllisch aufpassen und einmal biss es einer unachtsamen Pflegerin in die Brust.
Solchen "Teufeln" ging ich lieber aus dem Weg. :?
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Wolfgang A. » 21.11.2008, 18:06

Meine Erfahrungen mit Elefanten waren nicht so dramatisch. Hatte im Grunde ja nichts mit den Tieren zu tun, da ich zur Zeltmannschaft gehörte. Aber im Winterquartier war alles etwas anders. Bis auf zwei Stallkutscher waren alle anderen mit Gerhard Braune in Budapest am Staatscircus. Einige Tiernummern waren im Winter dort unter Vertrag. Bis auf das Misten halfen wir den Verbleibenden. An den Wochenenden, die meistens sehr feucht waren, schafften einige Kollegen, ich eingeschlossen, nicht immer den Weg zum Wohnwagen. :oops: So legten wir uns dann zu den Elefanten ins Stroh. War ja schön warm dort. :) Es ist auch nie etwas passiert. Ich war immer sehr erstaunt, wie Vorsichtig die Tiere sich doch bewegt haben, wenn wir zwischen ihnen lagen.
Gruß Wolfgang A.

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Wolfgang A. » 21.11.2008, 18:24

Habe heute Vormittag beim Anker setzen für den Dinnercircus zugesehen. Selbst die hatten sich einen Kleinbagger ausgeliehen, die Schaufel runter und eine Glocke drauf und die Anker wurden in die Erde gepresst. Wir hatten zwar auch einen Kompressor, aber es wollte niemand damit Arbeiten. Lediglich wenn es gar nicht mehr anders ging, haben wir ihn dann doch benutzt. Wir haben lieber Handarbeit gemacht. Vier Mann, vier 10 kg-Motteks und los ging es. Erst wurde vorgeschlagen. Das heißt, einer hielt den Anker und ein zweiter schlug solange, bis er fest stand. Dann begann einer auf den Anker zu schlagen und Reihum war dann jeder dran. Immer schön der "Ellerbeker Rundschlag." Aus dem Takt kommen durfte man da nicht. War auch sehr selten. Die Vierer-Gruppen fanden sich immer wieder zusammen, so das man wusste mit wem man schlägt und hat somit die Gefahr einer Verletztung verringert. Zum Vorkommando hatten wir zwar Grundsätzlich den Kompressor mit, aber wie schon erwähnt, er wurde selten eingesetzt.
Gruß Wolfgang A.

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 21.11.2008, 19:36

Wolfgang A. hat geschrieben:Wir haben lieber Handarbeit gemacht. Vier Mann, vier 10 kg-Motteks und los ging es. Erst wurde vorgeschlagen. Das heißt, einer hielt den Anker und ein zweiter schlug solange, bis er fest stand. Dann begann einer auf den Anker zu schlagen und Reihum war dann jeder dran.
Wenn ich daran denke, wie kraftvoll ich mal im Rundschlag die Anker in den Boden trieb, da bin ich heute ja ein Weichling dagegen. :mrgreen: ;)
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Timm » 21.11.2008, 19:42

bitte mehr davon, weil wenn nicht hier wo erfährt man dann wie´s früher vor und hinter den Kulissen zuging...

Gruß Timm
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 21.11.2008, 20:20

Abstieg und Aufstieg
Erinnerungen an das Jahr 1971


Wisst ihr was das Postbüro beim Circus Barum-Safari 1971 war ?
Adressenschreiben, Adressenschreiben, Adressenschr........, kuvertieren, kuvertieren, kuv........., verschicken von tausenden von Werbebriefen mit Gutscheinen jeden Tag, wochenlang. Einzige Abwechslung war der Auf- und Abbau des Restaurationszeltes, bei dem auch das Büroteam mit anpacken musste. So schaffte ich mit Volker Reinke und anderen an verschiedenen Fronten. Für diesen Job liess ich mich von Wolfgang Paschke anheuern und gab dafür eine gesicherte Stelle beim Staat auf. Wie ernüchternd war dieses Abenteuer und so war es die willkommene Gelegenheit als Raubtierkutscher dieser gleichförmigen Hölle zu entrinnen. So erlebte ich neben dem systematischen Aufstieg des Circus Barum, auch sehr hautnah den Abstieg von Gerd Siemoneits gemischter Raubtiergruppe, mit der er in der Circusbranche international berühmt wurde. Begonnen hatte die Verkleinerung der Tiergruppe schon vor meiner Zeit. Doch auf dem engen Platz der Kiesgrube von Lindenberg im Allgäu, nach einem hektischen schwülen Aufbautag passierte das Unglück. Der Kutscher Fritz war nur einen Moment unkonzentriert und der Löwe Pascha drückte einen Holzschieber auf und stürzte auf das letzte Puma dieser Gruppe.
Ein Prankenschlag und ein Biß des Löwen machten dem Puma ein schnelles Ende. Der schnell herbeigerufene Tierarzt konnte nur noch den Tod feststellen. An diesem Abend gab es im Raubtiercircus Barum-Safari keine Raubtiere zu sehen. Der Kutscher Fritz wurde mit Vorwürfen eingedeckt und Siemoneit trauerte um eines seiner Lieblingstiere.

Bild
Circus Barum-Safari 1971 in Lindenberg im Allgäu

Nur wenige Tage später in Überlingen am Bodensee, nach ebenso hektischen wie schwülen Wetter kam es im total ausverkauften Circus zu einem weiteren Unfall.
Eine Mutter schickte beim Hereinlassen der Raubtiere ihr Kind zu den lieben Löwen (zu “Claerence” - wie der schielende Löwe im Fernsehen hiess) und das Kind griff bevor wir es verhindern konnten nach Onyx, dem schwarzen Panther, der gerade im Lauftunnel auf seinen Einsatz wartete. Dieser packte das Kind durch das Gitter und hielt mit den Pranken den Kopf fest. Ich versuchte Onyx abzulenken, indem ich in am Schwanz zog und diesen verdrehte. Umsonst! Erst nachdem Gerd Siemoneit mit einem Stock stark auf Onyx einprügelte, liess dieser sein Opfer los. Ein Sanitäter trug das blutüberströmte Kind davon. Nachdem Gerd Siemoneit wieder im Sattelgang war, sagte er nur “Mein Gott, der hat es aber fest gepackt!” und sah mich einen Moment wie einen Freund an, mit dem er die Hölle durchstanden hatte. Kurze Zeit später hatte er die Fassung wieder und führte die Raubtiernummer scheinbar gelassen souverän vor, nur auf den Panthersprung in seine Arme verzichtete er und dies nun für einige Wochen. Onyx hatte Blut geleckt und musste sich erst wieder beruhigen. Dem Kind wurde das Gesicht aufgerissen, ein tragisch trauriger Unfall. Doch die meisten Zuschauer merkten nichts und eine kleine Pressenotiz am Tag darauf in der Zeitung war nicht spektakulär genug um das Publikum zu verschrecken. Es wurde eher angelockt und das ganze Gastspiel war ein Riesenerfolg. Nach meiner Zeugenvernehmung durch einen Polizeibeamten habe ich von dieser Sache nichts mehr gehört.

Die Gemischte Gruppe von Gerd Siemoneit mit den Leoparden Onxy und Alpha, den Tigern Cora und Mara und den Löwen Prinz und Pascha arbeitete noch einige Jahre im Programm, souverän und elegant präsentiert vom Meisterdompteur. Ein edler Rest einer glanzvollen Dressur, die am strapaziösen Aufbau eines nun fast beispielhaften Circusunternehmens zerfiel. Ein hoher Preis! Doch die Treue zu seinen Tieren, die ihn berühmt gemacht hatten, blieb bis zu deren Ende erhalten, Da sassen sie nun, alt aber zufrieden in der Tierschau und nahmen am Rhythmus des Circus weiterhin stillen Anteil. Immer wenn ich in die Tierschau kam und diese Tiere sah, dachte ich an ein Stück bedeutsamer Circusgeschichte, an der ich für einen kleinen Zeitabschnitt Anteil hatte.

Geschrieben ca. 1980 / Editiert 2006

P.B.
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Hermann N. » 22.11.2008, 11:25

Ich möchte auch mal ein wenigüber die Direktion vom Circus Krone erzählen.
Als ich bei Krone anfing,war es in den ersten Jahren immer üblich das wenn Frau Sembach-Krone Geburtstag hatte in der jeweiligen Stadt ein Saal gemietet wurde und alle Leute vom Circus Krone eingeladen wurden.Es war immer sehr lustig und ein großes Ereignis für uns.
Ich kann mich gut noch an Stuttgart erinnern,Frau Sembach hatte Geburtstag und ein Kutscher vom Exotenstall wollte Ihr eine ganz besondere Freude machen.Er ging Nachts in eine Park und klaute alle Blumen die er mitnehmen konnte,dann schrieb er mit Sägespäne vor dem Wohnwagen von der Familie Sembach ganz groß "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und verteilte die ganzen Blumen drauf.Es sah unheimlich toll aus.Nur stand dann aber am nächsten Tag in der Zeitung das Unbekannte den Stadtpark verwüstet hatten.
Ich weiß noch genau was das für ein Theater war,Frau Sembach fand es nicht mehr so schön und ich glaube ich Sie hatte den Schaden damals bezahlt.Der dicke Franz wurde ein wenig ausgeschimpft,abber man merkte es Frau Sembach irgendwie an das Sie sich trotzdem über diesen Geburtstagsgruß gefreut hatte.
Ich glaube Franz ist heute noch beim Krone im Winterbau habe ich Ihn vor ein paar Jahren noch getroffen und er hilft dort ab und zu noch aus.
Gruß
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 22.11.2008, 13:19

Hermann N. hat geschrieben:Ich möchte auch mal ein wenigüber die Direktion vom Circus Krone erzählen.
Als ich bei Krone anfing,war es in den ersten Jahren immer üblich das wenn Frau Sembach-Krone Geburtstag hatte in der jeweiligen Stadt ein Saal gemietet wurde und alle Leute vom Circus Krone eingeladen wurden.Es war immer sehr lustig und ein großes Ereignis für uns.
Sprichst von Frieda oder Christel ?

So eine Geburtstagsparty, allerdings im Chapiteau erlebte ich mal mit Heinz Geier im BuRo.
Ist schon viele Jahre her, aber es war ein schöner Abend! :D
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Hermann N. » 22.11.2008, 16:00

Peter hat geschrieben: Sprichst von Frieda oder Christel ?
Ich meinte Frau Frieda Sembach-Krone.
CSK hat ja im Dez.glaub ich Geburtstag und da gab es nur Private Partys.
Gruß
Hermann
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 22.11.2008, 16:16

Hermann N. hat geschrieben: CSK hat ja im Dez.glaub ich Geburtstag und da gab es nur Private Partys.
Gruß
Hermann
Christel Sembach-Krone müsste nun im November Geburtstag haben, daher überlegte ich, welche Blumen da noch im Stadtpark zu ernten waren. :mrgreen:
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 22.11.2008, 16:22

Klein Helmut

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In eine ganz normale Familie wurde der Zwerg Helmut Werner 1935 geboren. Die Schulzeit verbrachte er in Landsberg am Lech. Mein älterer Halbbruder war ein guter Freund von ihm und sie waren freche Lausbuben, die oft etwas anstellten. Aber wenn sie flüchten mussten, waren dazu Helmuts Beine zu kurz. So nahmen ihn zwei Freude kurzerhand in die Mitte, hoben ihn hoch und so rannte das Dreiergespann davon.
Meine Mutter erzählte mir, wie Helmut den Glöckner von Notre Dame spielte und mit grässlichen Geschrei die Leute verschreckte.

Nach einer schweren Lehre als Motorenwickler fand er den Weg zum Circus, wo er seine Heimat fand. Bekannt wurde er vorallem als Klein-Helmut beim Circus Krone und mit der Fernseh-Serie “Salto Mortale”.

Ich begegnete ihm immer wieder und da ich selbst ein Zweimetermann bin, sagte Helmut oft. “Komm hock dich na.” Denn dann musste er sich sein Genick nicht so verrenken. Oder er stand auf seinem Podest im Eingangsbereich des Circus Krone, dann lächelte er mich an und fragte mich nach meinem Bruder.
Immer wieder kreuzten sich unsere Wege, sprachen über eine seiner Tanten, die ich auch gut kannte und über andere Bezüge ausserhalb des Circus.
In den letzten Jahren haben sich unsere Wege verloren. Mein Bruder starb vor zwei Jahren. Helmut ist nun 73 Jahre alt. Ich wünsche im Gesundheit und Glück !

http://geschichten-von.circusworld.de/8/20/20.html

Weiss einer hier, wo er nun lebt und wie es ihm geht ?
Mit circensischen Grüßen

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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Hermann N. » 22.11.2008, 16:51

Peter hat geschrieben: Weiss einer hier, wo er nun lebt und wie es ihm geht ?
Helmut hat sich damals eine Wohnung in Erding bei München gekauft und dort wird er wohl auc noch sein.Ich habe Ihn noch oft bei Krone zur Premiere im Winterbau getroffen,aber die letzten Jahre war ich nicht mehr in München zur Premiere,weil es mir zu weit weg ist.Wohne in der Oberpfalz.
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Michael B. » 22.11.2008, 17:00

Hallo Peter,

könnte noch Stunden damit verbringen,Deine "alten" Geschichten zu verschlingen.Herrlich wenn jemand so nah am Geschehen war und vor allem über mein Lieblingsunternehmen BARUM soviele Anekdoten zu berichten weiß.
Nur weiter so.

Gruß
Michael
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Re: Die Vergangenheit ...

Ungelesener Beitrag von Admin » 22.11.2008, 17:10

Michael B. hat geschrieben: Nur weiter so.

Gruß
Michael
Dann ergänze ich mal obige Geschichte. ;)
Nur wenige Tage später in Überlingen am Bodensee, nach ebenso hektischen wie schwülen Wetter kam es im total ausverkauften Circus zu einem weiteren Unfall.
Der Platz war ein leicht schräger Wiesenplatz. Damals hatte der Circus noch ein altes Holzgradin, das im vollbesetzen Zustand auf einer Seite einzustürzen drohte. Die Stützen gaben auf dem feuchten Wiesenboden nach.
Hubert, Harry, Rudy, Toni und andere legten Seile um die Stützen und zogen mit Traktoren die Stützen wieder gerade. Kein Besucher bemerkte die kritische Situation.
Aber da das komplette Zeltteam damit beschäftigt war, fehlten einige Requisiteure im Zelt. Dadurch war der Tunnel nur einseitig gesichert und nicht auf der dem Publikum nahen Gegenseite. Nur dadurch konnte das Kind an den Tunnel laufen.
Ein unglückliche Verkettung mehrerer Pannen, mit einem schlimmen Ende.
Mit circensischen Grüßen

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